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Martens, Georg von: Die preussische Expedition nach Ost-Asien. Nach amtlichen Quellen. Vierter Band. Berlin, 1873.

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XVII.
AUSFLUG NACH PE-KIN.

VOM 10. SEPTEMBER BIS 6. OCTOBER.

Der Gesandte und die Attaches Graf Eulenburg, von Brandt,
von Bunsen machten die Reise bis Tun-tsau zu Wasser und
sandten ihre Pferde dahin voraus. Dr. Lucius und Maler Berg
ritten den ganzen Weg. Letztere verliessen Tien-tsin am Morgen
des 11. September, schliefen in Ho-si-wu, und bogen am 12. von
Tsan-kia-wan nach Tun-tsau ab, wo sie Nachmittags eintrafen.
Der Anblick des Landes war ganz anders als im Juni; damals stan-
den die Saaten niedrig, jetzt ragten Durra, Hirse und Ricinus 17)
den Reitern hoch über die Köpfe. Im Tempel Ta-wan-miao, der,
in der östlichen Vorstadt von Tun-tsau am Ufer des Pei-ho ge-
legen, den Gesandten auf ihren Reisen nach Pe-kin als Nacht-
quartier zu dienen pflegte, hatte ein chinesischer Diener des Herrn
de Meritens Quartier gemacht. Ein Karren mit den Matratzen
blieb im Schmutz stecken und kam erst gegen zwölf Uhr Nachts,
als die Reisenden längst auf harten Brettern schliefen.

Die Reiseboote auf dem Pei-ho sind klein und flach gebaut;
über der Mitte wölbt sich ein Schutzdach, kaum hoch genug für
Erwachsene um aufrecht darunter zu stehen; ein Stuhl, ein Tisch
und zwei Matratzen haben Platz in dem kajütenartigen Raum, der
vorn und hinten geschlossen werden kann. Drei solcher Boote
nahmen den Gesandten und seine Begleiter auf, eines die Diener-
schaft, die theilweise auch auf zwei anderen als Küche und als
Speisezimmer dienenden Booten hauste. Die Reisenden gingen

17) Der pflanzenkundige Fortune macht die richtige Bemerkung, dass in der Um-
gebung von Tien-tsin und Pe-kin fast alle Producte des Pflanzenreiches zu riesiger
Grösse gedeihen. Die hier gebaute Hirse wächst 15 Fuss hoch und darüber. Sesa-
mum orientale soll im Norden von China doppelt so gross und ergiebig sein als im
Süden. Sonnenblumen, die Eierpflanze, Kürbisse und andere Vegetabilien haben
ebenfalls ungewöhnliche Dimensionen.
7*
XVII.
AUSFLUG NACH PE-KIṄ.

VOM 10. SEPTEMBER BIS 6. OCTOBER.

Der Gesandte und die Attachés Graf Eulenburg, von Brandt,
von Bunsen machten die Reise bis Tuṅ-tšau zu Wasser und
sandten ihre Pferde dahin voraus. Dr. Lucius und Maler Berg
ritten den ganzen Weg. Letztere verliessen Tien-tsin am Morgen
des 11. September, schliefen in Ho-si-wu, und bogen am 12. von
Tšan-kia-wan nach Tuṅ-tšau ab, wo sie Nachmittags eintrafen.
Der Anblick des Landes war ganz anders als im Juni; damals stan-
den die Saaten niedrig, jetzt ragten Durra, Hirse und Ricinus 17)
den Reitern hoch über die Köpfe. Im Tempel Ta-waṅ-miao, der,
in der östlichen Vorstadt von Tuṅ-tšau am Ufer des Pei-ho ge-
legen, den Gesandten auf ihren Reisen nach Pe-kiṅ als Nacht-
quartier zu dienen pflegte, hatte ein chinesischer Diener des Herrn
de Méritens Quartier gemacht. Ein Karren mit den Matratzen
blieb im Schmutz stecken und kam erst gegen zwölf Uhr Nachts,
als die Reisenden längst auf harten Brettern schliefen.

Die Reiseboote auf dem Pei-ho sind klein und flach gebaut;
über der Mitte wölbt sich ein Schutzdach, kaum hoch genug für
Erwachsene um aufrecht darunter zu stehen; ein Stuhl, ein Tisch
und zwei Matratzen haben Platz in dem kajütenartigen Raum, der
vorn und hinten geschlossen werden kann. Drei solcher Boote
nahmen den Gesandten und seine Begleiter auf, eines die Diener-
schaft, die theilweise auch auf zwei anderen als Küche und als
Speisezimmer dienenden Booten hauste. Die Reisenden gingen

17) Der pflanzenkundige Fortune macht die richtige Bemerkung, dass in der Um-
gebung von Tien-tsin und Pe-kiṅ fast alle Producte des Pflanzenreiches zu riesiger
Grösse gedeihen. Die hier gebaute Hirse wächst 15 Fuss hoch und darüber. Sesa-
mum orientale soll im Norden von China doppelt so gross und ergiebig sein als im
Süden. Sonnenblumen, die Eierpflanze, Kürbisse und andere Vegetabilien haben
ebenfalls ungewöhnliche Dimensionen.
7*
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Zitationshilfe: Martens, Georg von: Die preussische Expedition nach Ost-Asien. Nach amtlichen Quellen. Vierter Band. Berlin, 1873, S. [99]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/berg_ostasien04_1873/113>, abgerufen am 12.11.2019.