Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895.

Bild:
<< vorherige Seite

Einleitung.
der Mühen verzehrt, welche sie Tag und Nacht zu ertragen hatten,
und sie aufs neue in lange Dürftigkeit versetzt. Aber warum sich
erstaunen? Thun sie doch nichts, als den Gewohnheiten und Sitten
der Grossen nachzuahmen; denn wenn die Hirten schlafen, verirrt
sich die Herde; aber täuschen wir uns nicht, ich will ja nicht sagen,
dass ihre Habgier schläft; denn nichts lässt sich vergleichen, ihren
Fleiss und ihren Eifer, ihre Einkünfte zu vermehren, die Ungerechtig-
keiten zu verteidigen, welche keinen andern Zweck haben, als das
arme Volk in ihr Garn fallen zu lassen und sie zum Opfer ihrer ver-
brecherischen Ränke zu machen. Doch welche Unklugheit! Warum,
armer Bourbon, sprichst du dich aus über diese kühne Freibeuterei?
Warum, Unsinniger, suchst du dir nicht die Gunst der Grossen zu
fangen? ......

Was mich anlangt, so habe ich bis dahin meinen Gegenstand
ausgemalt, ich bin aus Klugheit bei dem Kapitel des Eisens über
manche Dinge hinweggegangen, welche wohl unser Interesse verdien-
ten; ich habe zahlreiche Einzelheiten weggelassen, die mir einen
älteren Dichter als mich und ein umfangreicheres Werk fordern
würden. Was die Dinge anlangt, die ich bekannt gegeben habe, so
habe ich sie nur leichthin behandelt für den einzigen Zweck, die
Jugend zu unterrichten; deshalb, ihr jungen Leute, nehmt dieses kleine
Gedicht mit Wohlwollen an, das Gedicht eines Kindes, dieses soll die
Einleitung unserer Lieder sein.



Einleitung.
der Mühen verzehrt, welche sie Tag und Nacht zu ertragen hatten,
und sie aufs neue in lange Dürftigkeit versetzt. Aber warum sich
erstaunen? Thun sie doch nichts, als den Gewohnheiten und Sitten
der Groſsen nachzuahmen; denn wenn die Hirten schlafen, verirrt
sich die Herde; aber täuschen wir uns nicht, ich will ja nicht sagen,
daſs ihre Habgier schläft; denn nichts läſst sich vergleichen, ihren
Fleiſs und ihren Eifer, ihre Einkünfte zu vermehren, die Ungerechtig-
keiten zu verteidigen, welche keinen andern Zweck haben, als das
arme Volk in ihr Garn fallen zu lassen und sie zum Opfer ihrer ver-
brecherischen Ränke zu machen. Doch welche Unklugheit! Warum,
armer Bourbon, sprichst du dich aus über diese kühne Freibeuterei?
Warum, Unsinniger, suchst du dir nicht die Gunst der Groſsen zu
fangen? ......

Was mich anlangt, so habe ich bis dahin meinen Gegenstand
ausgemalt, ich bin aus Klugheit bei dem Kapitel des Eisens über
manche Dinge hinweggegangen, welche wohl unser Interesse verdien-
ten; ich habe zahlreiche Einzelheiten weggelassen, die mir einen
älteren Dichter als mich und ein umfangreicheres Werk fordern
würden. Was die Dinge anlangt, die ich bekannt gegeben habe, so
habe ich sie nur leichthin behandelt für den einzigen Zweck, die
Jugend zu unterrichten; deshalb, ihr jungen Leute, nehmt dieses kleine
Gedicht mit Wohlwollen an, das Gedicht eines Kindes, dieses soll die
Einleitung unserer Lieder sein.



<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0041" n="21"/><fw place="top" type="header">Einleitung.</fw><lb/>
der Mühen verzehrt, welche sie Tag und Nacht zu ertragen hatten,<lb/>
und sie aufs neue in lange Dürftigkeit versetzt. Aber warum sich<lb/>
erstaunen? Thun sie doch nichts, als den Gewohnheiten und Sitten<lb/>
der Gro&#x017F;sen nachzuahmen; denn wenn die Hirten schlafen, verirrt<lb/>
sich die Herde; aber täuschen wir uns nicht, ich will ja nicht sagen,<lb/>
da&#x017F;s ihre Habgier schläft; denn nichts lä&#x017F;st sich vergleichen, ihren<lb/>
Flei&#x017F;s und ihren Eifer, ihre Einkünfte zu vermehren, die Ungerechtig-<lb/>
keiten zu verteidigen, welche keinen andern Zweck haben, als das<lb/>
arme Volk in ihr Garn fallen zu lassen und sie zum Opfer ihrer ver-<lb/>
brecherischen Ränke zu machen. Doch welche Unklugheit! Warum,<lb/>
armer Bourbon, sprichst du dich aus über diese kühne Freibeuterei?<lb/>
Warum, Unsinniger, suchst du dir nicht die Gunst der Gro&#x017F;sen zu<lb/>
fangen? ......</p><lb/>
          <p>Was mich anlangt, so habe ich bis dahin meinen Gegenstand<lb/>
ausgemalt, ich bin aus Klugheit bei dem Kapitel des Eisens über<lb/>
manche Dinge hinweggegangen, welche wohl unser Interesse verdien-<lb/>
ten; ich habe zahlreiche Einzelheiten weggelassen, die mir einen<lb/>
älteren Dichter als mich und ein umfangreicheres Werk fordern<lb/>
würden. Was die Dinge anlangt, die ich bekannt gegeben habe, so<lb/>
habe ich sie nur leichthin behandelt für den einzigen Zweck, die<lb/>
Jugend zu unterrichten; deshalb, ihr jungen Leute, nehmt dieses kleine<lb/>
Gedicht mit Wohlwollen an, das Gedicht eines Kindes, dieses soll die<lb/>
Einleitung unserer Lieder sein.</p>
        </div><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[21/0041] Einleitung. der Mühen verzehrt, welche sie Tag und Nacht zu ertragen hatten, und sie aufs neue in lange Dürftigkeit versetzt. Aber warum sich erstaunen? Thun sie doch nichts, als den Gewohnheiten und Sitten der Groſsen nachzuahmen; denn wenn die Hirten schlafen, verirrt sich die Herde; aber täuschen wir uns nicht, ich will ja nicht sagen, daſs ihre Habgier schläft; denn nichts läſst sich vergleichen, ihren Fleiſs und ihren Eifer, ihre Einkünfte zu vermehren, die Ungerechtig- keiten zu verteidigen, welche keinen andern Zweck haben, als das arme Volk in ihr Garn fallen zu lassen und sie zum Opfer ihrer ver- brecherischen Ränke zu machen. Doch welche Unklugheit! Warum, armer Bourbon, sprichst du dich aus über diese kühne Freibeuterei? Warum, Unsinniger, suchst du dir nicht die Gunst der Groſsen zu fangen? ...... Was mich anlangt, so habe ich bis dahin meinen Gegenstand ausgemalt, ich bin aus Klugheit bei dem Kapitel des Eisens über manche Dinge hinweggegangen, welche wohl unser Interesse verdien- ten; ich habe zahlreiche Einzelheiten weggelassen, die mir einen älteren Dichter als mich und ein umfangreicheres Werk fordern würden. Was die Dinge anlangt, die ich bekannt gegeben habe, so habe ich sie nur leichthin behandelt für den einzigen Zweck, die Jugend zu unterrichten; deshalb, ihr jungen Leute, nehmt dieses kleine Gedicht mit Wohlwollen an, das Gedicht eines Kindes, dieses soll die Einleitung unserer Lieder sein.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen02_1895
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen02_1895/41
Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895, S. 21. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen02_1895/41>, abgerufen am 19.08.2019.