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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895.

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Luppenschmiede.
die Form kommt, damit es keine Zeit hat, Kohlenstoff aufzunehmen.
Diese Grenze ist aber unmöglich mit Sicherheit zu treffen, dickere,
festere Stückchen werden nicht oder unvollkommen reduziert vor die
Form kommen und sich im Schmelzraume verschlacken.

Die Schlacke muss möglichst eisenreich und dickflüssig sein, damit
sie nachträgliche Kohlung verhindert, und das reduzierte Eisen nicht
ganz bedeckt und von der Wirkung des Windes abschliesst. Es ist
dies dieselbe Art von Schlacken, die sich in den prähistorischen
Schmelzstätten gefunden haben (Bd. I, S. 525). Ihrer Zusammensetzung
nach sind es Gemenge von Singulo- und Subsilikaten, die sich aber
meist dem Singulosilikat nähern, wie dies aus den von Berthier
angestellten Analysen hervorgeht 1). Übrigens schwanken die Schlacken
sehr in ihrer Zusammensetzung je nach den Erzen. Das Eisen ist
öfter bis nahe zur Hälfte durch Mangan ersetzt. Richard teilt
folgende mittlere Zusammensetzung mit:

Kieselsäure     33,542
Thonerde     1,905
Eisenoxydul     41,771
Manganoxydul     12,310
Kalk     8,541
Magnesia     1,321
99,390 2)

Die französischen Luppenschmieden, welche sich besonders in den
Gebirgsländern Südfrankreichs bis in dieses Jahrhundert erhalten
haben, sind bereits im ersten Bande (S. 792) ausführlich beschrieben
worden. Der darin betriebene Schmelzprozess unterscheidet sich von
der deutschen Rennarbeit dadurch, dass die Erze, welche mit Kohlen-
staub gemischt aufgegeben werden, zuerst einer scharfen Röstung,
die so weit getrieben wird, dass die Erze zusammenbacken, in dem
Schmelzherde selbst unterworfen werden, dieser folgt dann das Ein-
schmelzen in denselben Herden und ohne dass die gebackenen Erze
herausgenommen werden. Dieses Schmelzverfahren beschränkte sich
nicht auf Südfrankreich, es war in den ganzen spanischen Pyrenäen,
besonders in den alten Sitzen der Basken, in Biscaya, Guypozcoa und
Navarra, sowie in den cantabrischen Bergen in Anwendung. Man

1) Annales des mines, 3me Serie, T. 512; Archiv für Bergbau VII, 223 u. 356.
2) T. Richard, Etudes sur l'art d'extraire immediatement le fer de ses
minerais, sans convertir le metal en fonte. Paris 1838.

Luppenschmiede.
die Form kommt, damit es keine Zeit hat, Kohlenstoff aufzunehmen.
Diese Grenze ist aber unmöglich mit Sicherheit zu treffen, dickere,
festere Stückchen werden nicht oder unvollkommen reduziert vor die
Form kommen und sich im Schmelzraume verschlacken.

Die Schlacke muſs möglichst eisenreich und dickflüssig sein, damit
sie nachträgliche Kohlung verhindert, und das reduzierte Eisen nicht
ganz bedeckt und von der Wirkung des Windes abschlieſst. Es ist
dies dieselbe Art von Schlacken, die sich in den prähistorischen
Schmelzstätten gefunden haben (Bd. I, S. 525). Ihrer Zusammensetzung
nach sind es Gemenge von Singulo- und Subsilikaten, die sich aber
meist dem Singulosilikat nähern, wie dies aus den von Berthier
angestellten Analysen hervorgeht 1). Übrigens schwanken die Schlacken
sehr in ihrer Zusammensetzung je nach den Erzen. Das Eisen ist
öfter bis nahe zur Hälfte durch Mangan ersetzt. Richard teilt
folgende mittlere Zusammensetzung mit:

Kieselsäure     33,542
Thonerde     1,905
Eisenoxydul     41,771
Manganoxydul     12,310
Kalk     8,541
Magnesia     1,321
99,390 2)

Die französischen Luppenschmieden, welche sich besonders in den
Gebirgsländern Südfrankreichs bis in dieses Jahrhundert erhalten
haben, sind bereits im ersten Bande (S. 792) ausführlich beschrieben
worden. Der darin betriebene Schmelzprozeſs unterscheidet sich von
der deutschen Rennarbeit dadurch, daſs die Erze, welche mit Kohlen-
staub gemischt aufgegeben werden, zuerst einer scharfen Röstung,
die so weit getrieben wird, daſs die Erze zusammenbacken, in dem
Schmelzherde selbst unterworfen werden, dieser folgt dann das Ein-
schmelzen in denselben Herden und ohne daſs die gebackenen Erze
herausgenommen werden. Dieses Schmelzverfahren beschränkte sich
nicht auf Südfrankreich, es war in den ganzen spanischen Pyrenäen,
besonders in den alten Sitzen der Basken, in Biscaya, Guypozcoa und
Navarra, sowie in den cantabrischen Bergen in Anwendung. Man

1) Annales des mines, 3me Série, T. 512; Archiv für Bergbau VII, 223 u. 356.
2) T. Richard, Études sur l’art d’extraire immédiatement le fer de ses
minerais, sans convertir le métal en fonte. Paris 1838.
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[151/0171] Luppenschmiede. die Form kommt, damit es keine Zeit hat, Kohlenstoff aufzunehmen. Diese Grenze ist aber unmöglich mit Sicherheit zu treffen, dickere, festere Stückchen werden nicht oder unvollkommen reduziert vor die Form kommen und sich im Schmelzraume verschlacken. Die Schlacke muſs möglichst eisenreich und dickflüssig sein, damit sie nachträgliche Kohlung verhindert, und das reduzierte Eisen nicht ganz bedeckt und von der Wirkung des Windes abschlieſst. Es ist dies dieselbe Art von Schlacken, die sich in den prähistorischen Schmelzstätten gefunden haben (Bd. I, S. 525). Ihrer Zusammensetzung nach sind es Gemenge von Singulo- und Subsilikaten, die sich aber meist dem Singulosilikat nähern, wie dies aus den von Berthier angestellten Analysen hervorgeht 1). Übrigens schwanken die Schlacken sehr in ihrer Zusammensetzung je nach den Erzen. Das Eisen ist öfter bis nahe zur Hälfte durch Mangan ersetzt. Richard teilt folgende mittlere Zusammensetzung mit: Kieselsäure 33,542 Thonerde 1,905 Eisenoxydul 41,771 Manganoxydul 12,310 Kalk 8,541 Magnesia 1,321 99,390 2) Die französischen Luppenschmieden, welche sich besonders in den Gebirgsländern Südfrankreichs bis in dieses Jahrhundert erhalten haben, sind bereits im ersten Bande (S. 792) ausführlich beschrieben worden. Der darin betriebene Schmelzprozeſs unterscheidet sich von der deutschen Rennarbeit dadurch, daſs die Erze, welche mit Kohlen- staub gemischt aufgegeben werden, zuerst einer scharfen Röstung, die so weit getrieben wird, daſs die Erze zusammenbacken, in dem Schmelzherde selbst unterworfen werden, dieser folgt dann das Ein- schmelzen in denselben Herden und ohne daſs die gebackenen Erze herausgenommen werden. Dieses Schmelzverfahren beschränkte sich nicht auf Südfrankreich, es war in den ganzen spanischen Pyrenäen, besonders in den alten Sitzen der Basken, in Biscaya, Guypozcoa und Navarra, sowie in den cantabrischen Bergen in Anwendung. Man 1) Annales des mines, 3me Série, T. 512; Archiv für Bergbau VII, 223 u. 356. 2) T. Richard, Études sur l’art d’extraire immédiatement le fer de ses minerais, sans convertir le métal en fonte. Paris 1838.

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Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 2: Das XVI. und XVII. Jahrhundert. Braunschweig, 1895, S. 151. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen02_1895/171>, abgerufen am 19.09.2019.