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Allgemeine Zeitung. Nr. 134. Augsburg, 13. Mai 1840.

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sagen, wo denn die Gewißheit liege, daß der verminderte Preis die Consumtion vermehren werde? Die Antwort ist einfach. In England consumirt jedes Individuum dreimal so viel Zucker als ein Individuum in unserm Lande. Seit 1814 war in Frankreich die Zuckerconsumtion fortwährend in rascher Zunahme, und es ist gewiß, daß nur in dem Steigen des Preises die Ursache des Stockens dieser Progression liegt. Es gibt keine andere zweckmäßigere Lösung. Wollte man die Colonien plötzlich opfern, sie ohne Uebergang, ohne Vorbereitung preisgeben, so würde man einen Fehler, ein Verbrechen begehen - einen Fehler, weil wir dadurch in den Stand unserer Marine, ich sage nicht eine unersetzliche, aber doch sehr ernstliche Verwirrung bringen würden; ein Verbrechen, weil die Sklaverei noch auf unsern Colonien lastet, und sie für sich allein nicht im Stande sind, das furchtbare Problem der Neger-Emancipation zu lösen. Andrerseits würde man durch Hinopfern und Zerstören der einheimischen Production ebenfalls die Interessen Frankreichs und die Pflichten derer mißkennen, welche nach der Ehre trachten, ihm Gesetze zu geben. Endlich gibt es einen Umstand, den man auf allen Seiten vergessen zu haben scheint, der aber diese ganze Frage beherrscht, und jetzt weniger als jemals eine Einwilligung in die Zerstörung des einheimischen Zuckers gestattet. Dieser Umstand ist die Abschaffung der Negersklaverei in unsern überseeischen Colonien. Diese kann nicht mehr lange verschoben werden, und wird ohne Zweifel im nächsten Jahre zu Stande kommen. Bei der besten Hoffnung, daß die Sache zwar nicht ohne einige Aufregung, aber doch ohne ernstliche Gefahr vorübergehen dürfte, wird doch gewiß in den Colonien eine mehr oder minder lange Unterbrechung in den Arbeiten eintreten, und wie soll man den dann eintretenden Zuckermangel ersetzen, wenn man gerade vorher die einheimische Fabrication zerstört hat? Man würde dann offenbar der Discretion des Auslandes preisgegeben seyn."

Der Gegenadmiral Leblanc, der lange das Blokadegeschwader vom la Plata befehligt hat, ist an die Stelle des verewigten Hrn. v. Freycinet zum Seepräfecten von Rochefort ernannt.

(Commerce.) Die neuesten Briefe aus Algier melden, daß zwischen dem Marschall Valee und dem Herzog von Orleans große Kälte herrsche. Der Prinz wollte der letzten Expedition im Osten der Metidscha beiwohnen; der Marschall schlug es ihm ab. Die Colonisten vertrauten wenig auf entscheidende Resultate des bevorstehenden Feldzugs, eben so wenig Vertrauen hegt die Armee, welche in dem Gouverneur den systematischen Feind der Colonie sieht. Marschall Valee gebraucht die unbeschränkte Gewalt, die er sich angemaßt hat, nur zu Gunsten seines Eidams, des Obristlieutenants de Salles, dessen Beförderung er auf alle Weise zu unterstützen sucht, und den er zum zweiten Chef seines Generalstabs gemacht hat. Das Ministerium hat zwar den General Schramm zum Chef des Generalstabs ernannt, der Marschall hat ihm aber ein Divisionscommando übertragen, so daß Hr. de Salles fortwährend der Verwaltung der Armee vorsteht. Bei den Soldaten steht der Eidam des Marschalls in keiner sonderlichen Gunst. Nach einem Chalifa Abd-El-Kaders, Namens Sidi-Embarak, mit dem Hr. de Salles einst im Lager des Emirs freundlich verkehrte, haben ihm die Soldaten den Spitznamen Sidi - Embarras gegeben.

Den gestrigen telegraphischen Depeschen zufolge ist die französische Expeditionsarmee bereits auf dem Marsche nach dem Innern begriffen, denn die Höhe von Afrun und der Uad-el-Dscher, wo der Schauplatz des letzten Kampfes war, liegen westlich von Belida, dem Abgangspunkt der Armee. Das Journal des Debats vermuthet, nach dem Inhalt jener Depeschen, daß der Marschall Valee erst nach Miliana und von dort nach Medeah zu marschiren beabsichtige. Der Berg Afrun liegt westlich vom Engpaß Teniah. Die Armee ließ diesen schwierigen Gebirgsweg, den Abd-El-Kader verschanzen ließ, zur Linken liegen und umgeht ihn durch ihre Bewegung in der Richtung von Miliana. Auf dem Afrun, der sich über den Uthan El-Selb erhebt, befand sich ein arabisches Lager, von Beschir, dem Kaid der Hadschuten, commandirt. Dieser Lagerplatz wurde von den französischen Truppen mit dem Bajonnette genommen. Das Journal des Debats glaubt auch, der Marschall werde durch seinen Marsch nach Miliana sich den Besitz der einzigen Brücke über den Schelif sichern wollen, um die in Abd-El-Kaders Heer anwesenden Araber der Provinz Oran von ihrer Heimath abzuschneiden und zum Kampfe zu zwingen.

Am 27 April ist die Expeditionsarmee von Buffarik aufgebrochen und nach Belida marschirt, von wo sie dann den Weg nach dem Westen eingeschlagen hat. Gegen vier Tausend feindliche Reiter, größtentheils Hadschuten, machten Miene sich ihrem Marsch zu widersetzen und zogen sich bei ihrer Annäherung in den Wald Chorasa zurück. Da es eine schwere Arbeit gewesen wäre, die Feinde daraus zu vertreiben, ließ der Marschall Valee den Wald auf mehrern Punkten in Brand stecken. Die Hadschuten flohen hierauf in aller Unordnung und ließen 300 Todte auf dem Kampfplatze zurück. Wir verloren sechs Officiere und sechs Soldaten; ein dänischer Artillerielieutenant (ein Hr. v. Raasloff), welcher die Expedition als Amateur begleitete, wurde gleich in diesem ersten Gefecht getödtet. Die Armee setzte hierauf ihren Marsch nach Miliana fort. Man glaubte, sie werde am 1 Mai ihren Einzug in dieser Stadt halten. Der ursprüngliche Plan war zuerst nach Medeah zu marschiren; man gab denselben aber auf, weil Abd-El-Kader diesen Punkt befestigt, dagegen Miliana ohne Vertheidigung gelassen hatte. - Einige hundert arabische Räuber sind in den Massif eingedrungen und haben einige Häuser geplündert. Die Besatzung unserer Stadt rückte gegen sie aus, worauf jene die Flucht ergriffen und einige Todte zurückließen. - Scherschel wird seit dem 27 April von den Kabylen der Beni-Menasser angegriffen. Die Besatzung hatte einige Todte und Verwundete; unter letzteren befindet sich Hr. Cavaignac, Commandant der Stadt, welcher eine Kugel in den Schenkel erhielt.

Guizot hat eine Circularnote eingeschickt, die ihm von Nuri Effendi zugekommen war, und worin er aufgefordert wird, im Namen Frankreichs der Abschließung einer Convention beizutreten, die hauptsächlich dazu dienen soll, Syrien der Pforte zurückzugeben. Guizot frägt an, was er darauf antworten soll, und es ist ihm erwiedert worden: nichts. *) Er könne sich mit der Empfangsbestätigung begnügen, die er bereits gegeben habe. Mündlich möchte er aber Nuri Effendi wie überhaupt den übrigen Repräsentanten zu erkennen geben, daß eigentlich die Nothwendigkeit einer Conferenz im wahren Sinne des Wortes dem französischen Ministerium nicht recht einleuchte, das darin ein Hemmniß mehr sehe, die orientalische Frage zu Ende zu bringen. Er möchte dieß hervorheben und sich darauf beschränken, sein Gutachten über diesen oder jenen Punkt abzugeben, auch allenfalls in einzelnen Fällen unterhandeln, aber auf keine Weise protokolliren oder collectiv etwas beitreten; letzteres nur dann, wenn er nähere Instructionen eingeholt habe und dazu autorisirt seyn werde, denn, fügte

*) Wir verweisen auf den denselben Gegenstand behandelnden Londoner Brief [irrelevantes Material] in der gestrigen Allgem. Zeit.

sagen, wo denn die Gewißheit liege, daß der verminderte Preis die Consumtion vermehren werde? Die Antwort ist einfach. In England consumirt jedes Individuum dreimal so viel Zucker als ein Individuum in unserm Lande. Seit 1814 war in Frankreich die Zuckerconsumtion fortwährend in rascher Zunahme, und es ist gewiß, daß nur in dem Steigen des Preises die Ursache des Stockens dieser Progression liegt. Es gibt keine andere zweckmäßigere Lösung. Wollte man die Colonien plötzlich opfern, sie ohne Uebergang, ohne Vorbereitung preisgeben, so würde man einen Fehler, ein Verbrechen begehen – einen Fehler, weil wir dadurch in den Stand unserer Marine, ich sage nicht eine unersetzliche, aber doch sehr ernstliche Verwirrung bringen würden; ein Verbrechen, weil die Sklaverei noch auf unsern Colonien lastet, und sie für sich allein nicht im Stande sind, das furchtbare Problem der Neger-Emancipation zu lösen. Andrerseits würde man durch Hinopfern und Zerstören der einheimischen Production ebenfalls die Interessen Frankreichs und die Pflichten derer mißkennen, welche nach der Ehre trachten, ihm Gesetze zu geben. Endlich gibt es einen Umstand, den man auf allen Seiten vergessen zu haben scheint, der aber diese ganze Frage beherrscht, und jetzt weniger als jemals eine Einwilligung in die Zerstörung des einheimischen Zuckers gestattet. Dieser Umstand ist die Abschaffung der Negersklaverei in unsern überseeischen Colonien. Diese kann nicht mehr lange verschoben werden, und wird ohne Zweifel im nächsten Jahre zu Stande kommen. Bei der besten Hoffnung, daß die Sache zwar nicht ohne einige Aufregung, aber doch ohne ernstliche Gefahr vorübergehen dürfte, wird doch gewiß in den Colonien eine mehr oder minder lange Unterbrechung in den Arbeiten eintreten, und wie soll man den dann eintretenden Zuckermangel ersetzen, wenn man gerade vorher die einheimische Fabrication zerstört hat? Man würde dann offenbar der Discretion des Auslandes preisgegeben seyn.“

Der Gegenadmiral Leblanc, der lange das Blokadegeschwader vom la Plata befehligt hat, ist an die Stelle des verewigten Hrn. v. Freycinet zum Seepräfecten von Rochefort ernannt.

(Commerce.) Die neuesten Briefe aus Algier melden, daß zwischen dem Marschall Valée und dem Herzog von Orleans große Kälte herrsche. Der Prinz wollte der letzten Expedition im Osten der Metidscha beiwohnen; der Marschall schlug es ihm ab. Die Colonisten vertrauten wenig auf entscheidende Resultate des bevorstehenden Feldzugs, eben so wenig Vertrauen hegt die Armee, welche in dem Gouverneur den systematischen Feind der Colonie sieht. Marschall Valée gebraucht die unbeschränkte Gewalt, die er sich angemaßt hat, nur zu Gunsten seines Eidams, des Obristlieutenants de Salles, dessen Beförderung er auf alle Weise zu unterstützen sucht, und den er zum zweiten Chef seines Generalstabs gemacht hat. Das Ministerium hat zwar den General Schramm zum Chef des Generalstabs ernannt, der Marschall hat ihm aber ein Divisionscommando übertragen, so daß Hr. de Salles fortwährend der Verwaltung der Armee vorsteht. Bei den Soldaten steht der Eidam des Marschalls in keiner sonderlichen Gunst. Nach einem Chalifa Abd-El-Kaders, Namens Sidi-Embarak, mit dem Hr. de Salles einst im Lager des Emirs freundlich verkehrte, haben ihm die Soldaten den Spitznamen Sidi - Embarras gegeben.

Den gestrigen telegraphischen Depeschen zufolge ist die französische Expeditionsarmee bereits auf dem Marsche nach dem Innern begriffen, denn die Höhe von Afrun und der Uad-el-Dscher, wo der Schauplatz des letzten Kampfes war, liegen westlich von Belida, dem Abgangspunkt der Armee. Das Journal des Débats vermuthet, nach dem Inhalt jener Depeschen, daß der Marschall Valée erst nach Miliana und von dort nach Medeah zu marschiren beabsichtige. Der Berg Afrun liegt westlich vom Engpaß Teniah. Die Armee ließ diesen schwierigen Gebirgsweg, den Abd-El-Kader verschanzen ließ, zur Linken liegen und umgeht ihn durch ihre Bewegung in der Richtung von Miliana. Auf dem Afrun, der sich über den Uthan El-Selb erhebt, befand sich ein arabisches Lager, von Beschir, dem Kaid der Hadschuten, commandirt. Dieser Lagerplatz wurde von den französischen Truppen mit dem Bajonnette genommen. Das Journal des Débats glaubt auch, der Marschall werde durch seinen Marsch nach Miliana sich den Besitz der einzigen Brücke über den Schelif sichern wollen, um die in Abd-El-Kaders Heer anwesenden Araber der Provinz Oran von ihrer Heimath abzuschneiden und zum Kampfe zu zwingen.

Am 27 April ist die Expeditionsarmee von Buffarik aufgebrochen und nach Belida marschirt, von wo sie dann den Weg nach dem Westen eingeschlagen hat. Gegen vier Tausend feindliche Reiter, größtentheils Hadschuten, machten Miene sich ihrem Marsch zu widersetzen und zogen sich bei ihrer Annäherung in den Wald Chorasa zurück. Da es eine schwere Arbeit gewesen wäre, die Feinde daraus zu vertreiben, ließ der Marschall Valée den Wald auf mehrern Punkten in Brand stecken. Die Hadschuten flohen hierauf in aller Unordnung und ließen 300 Todte auf dem Kampfplatze zurück. Wir verloren sechs Officiere und sechs Soldaten; ein dänischer Artillerielieutenant (ein Hr. v. Raasloff), welcher die Expedition als Amateur begleitete, wurde gleich in diesem ersten Gefecht getödtet. Die Armee setzte hierauf ihren Marsch nach Miliana fort. Man glaubte, sie werde am 1 Mai ihren Einzug in dieser Stadt halten. Der ursprüngliche Plan war zuerst nach Medeah zu marschiren; man gab denselben aber auf, weil Abd-El-Kader diesen Punkt befestigt, dagegen Miliana ohne Vertheidigung gelassen hatte. – Einige hundert arabische Räuber sind in den Massif eingedrungen und haben einige Häuser geplündert. Die Besatzung unserer Stadt rückte gegen sie aus, worauf jene die Flucht ergriffen und einige Todte zurückließen. – Scherschel wird seit dem 27 April von den Kabylen der Beni-Menasser angegriffen. Die Besatzung hatte einige Todte und Verwundete; unter letzteren befindet sich Hr. Cavaignac, Commandant der Stadt, welcher eine Kugel in den Schenkel erhielt.

Guizot hat eine Circularnote eingeschickt, die ihm von Nuri Effendi zugekommen war, und worin er aufgefordert wird, im Namen Frankreichs der Abschließung einer Convention beizutreten, die hauptsächlich dazu dienen soll, Syrien der Pforte zurückzugeben. Guizot frägt an, was er darauf antworten soll, und es ist ihm erwiedert worden: nichts. *) Er könne sich mit der Empfangsbestätigung begnügen, die er bereits gegeben habe. Mündlich möchte er aber Nuri Effendi wie überhaupt den übrigen Repräsentanten zu erkennen geben, daß eigentlich die Nothwendigkeit einer Conferenz im wahren Sinne des Wortes dem französischen Ministerium nicht recht einleuchte, das darin ein Hemmniß mehr sehe, die orientalische Frage zu Ende zu bringen. Er möchte dieß hervorheben und sich darauf beschränken, sein Gutachten über diesen oder jenen Punkt abzugeben, auch allenfalls in einzelnen Fällen unterhandeln, aber auf keine Weise protokolliren oder collectiv etwas beitreten; letzteres nur dann, wenn er nähere Instructionen eingeholt habe und dazu autorisirt seyn werde, denn, fügte

*) Wir verweisen auf den denselben Gegenstand behandelnden Londoner Brief [irrelevantes Material] in der gestrigen Allgem. Zeit.
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[1068/0004] sagen, wo denn die Gewißheit liege, daß der verminderte Preis die Consumtion vermehren werde? Die Antwort ist einfach. In England consumirt jedes Individuum dreimal so viel Zucker als ein Individuum in unserm Lande. Seit 1814 war in Frankreich die Zuckerconsumtion fortwährend in rascher Zunahme, und es ist gewiß, daß nur in dem Steigen des Preises die Ursache des Stockens dieser Progression liegt. Es gibt keine andere zweckmäßigere Lösung. Wollte man die Colonien plötzlich opfern, sie ohne Uebergang, ohne Vorbereitung preisgeben, so würde man einen Fehler, ein Verbrechen begehen – einen Fehler, weil wir dadurch in den Stand unserer Marine, ich sage nicht eine unersetzliche, aber doch sehr ernstliche Verwirrung bringen würden; ein Verbrechen, weil die Sklaverei noch auf unsern Colonien lastet, und sie für sich allein nicht im Stande sind, das furchtbare Problem der Neger-Emancipation zu lösen. Andrerseits würde man durch Hinopfern und Zerstören der einheimischen Production ebenfalls die Interessen Frankreichs und die Pflichten derer mißkennen, welche nach der Ehre trachten, ihm Gesetze zu geben. Endlich gibt es einen Umstand, den man auf allen Seiten vergessen zu haben scheint, der aber diese ganze Frage beherrscht, und jetzt weniger als jemals eine Einwilligung in die Zerstörung des einheimischen Zuckers gestattet. Dieser Umstand ist die Abschaffung der Negersklaverei in unsern überseeischen Colonien. Diese kann nicht mehr lange verschoben werden, und wird ohne Zweifel im nächsten Jahre zu Stande kommen. Bei der besten Hoffnung, daß die Sache zwar nicht ohne einige Aufregung, aber doch ohne ernstliche Gefahr vorübergehen dürfte, wird doch gewiß in den Colonien eine mehr oder minder lange Unterbrechung in den Arbeiten eintreten, und wie soll man den dann eintretenden Zuckermangel ersetzen, wenn man gerade vorher die einheimische Fabrication zerstört hat? Man würde dann offenbar der Discretion des Auslandes preisgegeben seyn.“ Der Gegenadmiral Leblanc, der lange das Blokadegeschwader vom la Plata befehligt hat, ist an die Stelle des verewigten Hrn. v. Freycinet zum Seepräfecten von Rochefort ernannt. (Commerce.) Die neuesten Briefe aus Algier melden, daß zwischen dem Marschall Valée und dem Herzog von Orleans große Kälte herrsche. Der Prinz wollte der letzten Expedition im Osten der Metidscha beiwohnen; der Marschall schlug es ihm ab. Die Colonisten vertrauten wenig auf entscheidende Resultate des bevorstehenden Feldzugs, eben so wenig Vertrauen hegt die Armee, welche in dem Gouverneur den systematischen Feind der Colonie sieht. Marschall Valée gebraucht die unbeschränkte Gewalt, die er sich angemaßt hat, nur zu Gunsten seines Eidams, des Obristlieutenants de Salles, dessen Beförderung er auf alle Weise zu unterstützen sucht, und den er zum zweiten Chef seines Generalstabs gemacht hat. Das Ministerium hat zwar den General Schramm zum Chef des Generalstabs ernannt, der Marschall hat ihm aber ein Divisionscommando übertragen, so daß Hr. de Salles fortwährend der Verwaltung der Armee vorsteht. Bei den Soldaten steht der Eidam des Marschalls in keiner sonderlichen Gunst. Nach einem Chalifa Abd-El-Kaders, Namens Sidi-Embarak, mit dem Hr. de Salles einst im Lager des Emirs freundlich verkehrte, haben ihm die Soldaten den Spitznamen Sidi - Embarras gegeben. Den gestrigen telegraphischen Depeschen zufolge ist die französische Expeditionsarmee bereits auf dem Marsche nach dem Innern begriffen, denn die Höhe von Afrun und der Uad-el-Dscher, wo der Schauplatz des letzten Kampfes war, liegen westlich von Belida, dem Abgangspunkt der Armee. Das Journal des Débats vermuthet, nach dem Inhalt jener Depeschen, daß der Marschall Valée erst nach Miliana und von dort nach Medeah zu marschiren beabsichtige. Der Berg Afrun liegt westlich vom Engpaß Teniah. Die Armee ließ diesen schwierigen Gebirgsweg, den Abd-El-Kader verschanzen ließ, zur Linken liegen und umgeht ihn durch ihre Bewegung in der Richtung von Miliana. Auf dem Afrun, der sich über den Uthan El-Selb erhebt, befand sich ein arabisches Lager, von Beschir, dem Kaid der Hadschuten, commandirt. Dieser Lagerplatz wurde von den französischen Truppen mit dem Bajonnette genommen. Das Journal des Débats glaubt auch, der Marschall werde durch seinen Marsch nach Miliana sich den Besitz der einzigen Brücke über den Schelif sichern wollen, um die in Abd-El-Kaders Heer anwesenden Araber der Provinz Oran von ihrer Heimath abzuschneiden und zum Kampfe zu zwingen. _ Algier, 2 Mai. Am 27 April ist die Expeditionsarmee von Buffarik aufgebrochen und nach Belida marschirt, von wo sie dann den Weg nach dem Westen eingeschlagen hat. Gegen vier Tausend feindliche Reiter, größtentheils Hadschuten, machten Miene sich ihrem Marsch zu widersetzen und zogen sich bei ihrer Annäherung in den Wald Chorasa zurück. Da es eine schwere Arbeit gewesen wäre, die Feinde daraus zu vertreiben, ließ der Marschall Valée den Wald auf mehrern Punkten in Brand stecken. Die Hadschuten flohen hierauf in aller Unordnung und ließen 300 Todte auf dem Kampfplatze zurück. Wir verloren sechs Officiere und sechs Soldaten; ein dänischer Artillerielieutenant (ein Hr. v. Raasloff), welcher die Expedition als Amateur begleitete, wurde gleich in diesem ersten Gefecht getödtet. Die Armee setzte hierauf ihren Marsch nach Miliana fort. Man glaubte, sie werde am 1 Mai ihren Einzug in dieser Stadt halten. Der ursprüngliche Plan war zuerst nach Medeah zu marschiren; man gab denselben aber auf, weil Abd-El-Kader diesen Punkt befestigt, dagegen Miliana ohne Vertheidigung gelassen hatte. – Einige hundert arabische Räuber sind in den Massif eingedrungen und haben einige Häuser geplündert. Die Besatzung unserer Stadt rückte gegen sie aus, worauf jene die Flucht ergriffen und einige Todte zurückließen. – Scherschel wird seit dem 27 April von den Kabylen der Beni-Menasser angegriffen. Die Besatzung hatte einige Todte und Verwundete; unter letzteren befindet sich Hr. Cavaignac, Commandant der Stadt, welcher eine Kugel in den Schenkel erhielt. _ Paris, 29 April. Guizot hat eine Circularnote eingeschickt, die ihm von Nuri Effendi zugekommen war, und worin er aufgefordert wird, im Namen Frankreichs der Abschließung einer Convention beizutreten, die hauptsächlich dazu dienen soll, Syrien der Pforte zurückzugeben. Guizot frägt an, was er darauf antworten soll, und es ist ihm erwiedert worden: nichts. *) Er könne sich mit der Empfangsbestätigung begnügen, die er bereits gegeben habe. Mündlich möchte er aber Nuri Effendi wie überhaupt den übrigen Repräsentanten zu erkennen geben, daß eigentlich die Nothwendigkeit einer Conferenz im wahren Sinne des Wortes dem französischen Ministerium nicht recht einleuchte, das darin ein Hemmniß mehr sehe, die orientalische Frage zu Ende zu bringen. Er möchte dieß hervorheben und sich darauf beschränken, sein Gutachten über diesen oder jenen Punkt abzugeben, auch allenfalls in einzelnen Fällen unterhandeln, aber auf keine Weise protokolliren oder collectiv etwas beitreten; letzteres nur dann, wenn er nähere Instructionen eingeholt habe und dazu autorisirt seyn werde, denn, fügte *) Wir verweisen auf den denselben Gegenstand behandelnden Londoner Brief _ in der gestrigen Allgem. Zeit.

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Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Deutsches Textarchiv: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-06-28T11:37:15Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-06-28T11:37:15Z)

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Zitationshilfe: Allgemeine Zeitung. Nr. 134. Augsburg, 13. Mai 1840, S. 1068. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_134_18400513/4>, abgerufen am 06.04.2020.