Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Allgemeine Zeitung. Nr. 41. Augsburg, 10. Februar 1840.

Bild:
erste Seite

Nach der amtlichen Gazette ist Generalmajor Sir Willoughby Cotton, zweiter Befehlshaber der Indus-Armee, zum Großkreuz des Bath-Ordens, Dr. Pepys zum Bischof von Man und Sodor ernannt

** Oberhaussitzung vom 3 Febr. Lord Melbourne erklärt, in Anbetracht der Dringlichkeit der Sache und in Rücksicht auf die von dem edlen Herzog gegenüber (Wellington) gemachten Bemerkungen habe die Regierung sich entschlossen, die Naturalisationsbill für Prinz Albert auf ihren einfachsten Ausdruck zu bringen, d. h. sie fürs erste auf dessen bloße Naturalisation als brittischer Unterthan zu beschränken, die Frage wegen seines Rangs und Vortritts aber für eine spätere Parlamentsentscheidung auszusetzen. Das Haus geht in Committee über die Bill, deren bezügliche Clausel sofort gestrichen wurde. Beim Abgang der Post hatte Lord Brougham das Wort genommen, um eine Petition zu unterstützen, worin das Haus gebeten ward, sich bei Ihrer Maj. um Gewährung einer völligen Amnestie für die Verurtheilten in Monmouth zu verwenden. - Eine ähnliche Petition übergab Hr. Leader im Beginn der Unterhaussitzung am nämlichen Tag.

Der Kent Guardian versichert, Hr. Grote, der bekannte Bankier und liberales Parlamentsmitglied für die Londoner City, besonders eifriger Schutzredner der Ballotage, werde nächstens seinen Austritt aus dem Hause der Gemeinen anzeigen.

Nach Berichten aus verschiedenen Gegenden im Innern des Landes hat sich an den meisten Orten die Zahl der zu befördernden Briefe seit Einführung des Penny-Porto um das Drei- und Vierfache vermehrt. Die Bestimmung des Porto nach dem Gewicht wird vielfach zur Beförderung voluminöser Pakete mißbraucht.

Frankreich.

In der Sitzung der Akademie der Wissenschaften in Paris am 3. Febr. gab Hr.
Arago aus einem Schreiben des Hrn. v. Humboldt einige Details über die letzten Augenblicke des berühmten Blumenbach, eines der acht auswärtigen Associes der Akademie, der ohne besondere Leiden, und ohne den Tod zu fürchten, dessen Nähe er gesehen habe, im Alter von 88 Jahren entschlafen sey. "Ich weiß, habe er kurz zuvor gesagt, daß der Tod an meine Thüre geklopft hat, ich habe ihm aber noch nicht "Herein" gerufen."

Die Deputirtenkammer votirte am 5 Febr. den Entwurf zu einem Credit von 45,000 Fr. auf das Rechnungsjahr 1840für die Einsetzungskosten des Hrn. v. Latour d'Auvergne Laraguaix in das Cardinalat mit 219 weißen gegen 78 schwarze Kugeln. Eine Forderung von einem Credit von 300,000 Fr. für Wohlthätigkeitsanstalten ward mit 258 weißen gegen 28 schwarze Kugeln angenommen.

(Commerce.) Bei der Conferenz, welche zwischen dem Conseilpräsidenten, den Ministern des Innern und der Finanzen und der mit Prüfung der Dotation des Herzogs von Nemours beschäftigten Commission stattfand, theilten die Mitglieder des Cabinets der Commission einen bloßen Etat des Einkommens der Privatdomäne mit. Es war kein Actenstück zum Belege dieses Etats dabei. In Sachen der Gesetzgebung dürfen sich nun aber nicht auf officiöse Nachweisungen, sondern nur auf authentische Urkunden die Vorschläge der Commission und das definitive Votum der Kammer gründen. Ueberdieß ist zu bemerken, daß es in der betreffenden Sache nicht von Wichtigkeit war, das Einkommen zu declariren. Ein Familienvater versorgt und stattet seine Kinder nicht mit seinen Einkünften, sondern mit seinen Capitalien aus. Es ist sonach in dem wirklichen Werthe der Privatdomäne ein Capital zu constatiren. Diese ganz natürliche Bemerkung ward bereits von den Mitgliedern der Commission, die zu der Opposition gehören, gemacht. Es scheint unmöglich, daß sie nicht neue Erläuterungen hervorruft; diese Erläuterungen sind um so nothwendiger, als, wie wir nach sichern und allen Glauben verdienenden Angaben sagen können, die Privatdomäne bei weitem beträchtlicher ist, als man gewöhnlich glaubt, und als wir es selbst angegeben hatten.

(Le Droit.) Diesen Morgen unterhielt man sich in der Straße Bourg L'Abbe viel von einer Zusammenrottung von etwa hundert Individuen, die in der letzten Nacht, um Mitternacht, aus der Straße St. Martin mit aufrührerischem Geschrei und unter dem Gesang der Marseillaise hergezogen wären. Nach einem Stillstand von mehr als einer Stunde, und nachdem sie die Laternen an den Fiakern, denen sie begegneten, ausgelöscht und die Fiaker umzuwerfen Miene gemacht, hätten, sich diese Leute, deren Absichten man sich nicht erklären kann, unter Schreien und Drohungen wieder entfernt.

Sir R. Peels parlamentarische Erklärung zu Gunsten der englisch-französischen Allianz (s. gestern unter "Großbritannien") hat bei der Pariser Presse große Sensation erregt. Dieß ist besonders der Fall bei denjenigen Journalen, welche, vergessend, daß die brittische Anerkennung der durch die Juliusrevolution herbeigeführten neuen Ordnung der Dinge in Frankreich unter einem Toryministerium erfolgte, bisher das Wort Tory in allen seinen Schattirungen als synonym mit Franzosenfeind betrachtet hatten. Und doch ist Peels Erklärung keine neue, sondern nur eine Wiederholung dessen, was der Baronet auch bei jedem früheren Anlaß geäußert. Der National, der in der ebengedachten Ansicht der französischen Presse über die Tories immer voranstand, bemerkt jetzt: "Lord Palmerston hatte vermuthlich darauf gerechnet, für diese Unterhausdebatten den Abschluß eines Vertrags mit Rußland in der orientalischen Frage benützen zu können, um seinen Gegnern Schweigen aufzulegen und sie alle die Fehler vergessen zu machen, die ihm von seinen politischen Freunden und Feinden vorgeworfen werden. Aber seine Bemühungen in dieser Hinsicht waren ein neuer Fehler, denn alle Parteien jenseits des Canals sind jetzt darüber einig, daß England, ohne seine Macht und seine Interessen zu gefährden, nicht an einen Bruch mit Frankreich denken könne." Der National citirt die Worte Peels, und fährt fort: "Und sämmtliche Whigjournale sehen in der Ernennung Hrn. Guizots das Vorzeichen eines sich gestaltenden innigeren Verhältnisses zwischen den beiden Nationen, als es in den Blüthentagen der Quadrupelallianz gewesen. Ihre Sprache hat sich plötzlich und auffallend verändert. Noch vor wenigen Tagen war es, diesen Journalen zufolge, England, das ein Aufgeben des französischen Bündnisses wünschte. Jetzt sagen sie, Frankreich allein wolle einen Bruch, Frankreich sey es, das, trotz aller Bemühungen und alles Entgegenkommens der Engländer, jede Gemeinschaft der Interessen und Grundsätze zurückweise. Man fleht uns an, uns zu bedenken, man beschwört uns, nicht eine Trennung zu vollenden, die für beide Nationen verderblich seyn würde. Diese Sprache ist verschieden von den früheren Drohungen mit dem Brunnow'schen Vertrag." Uebrigens ermangelt der National nicht, sein eigenes politisches Glaubensbekenntniß beizufügen, nämlich daß ihm das ohne Zweifel wiederauflebende gute Vernehmen zwischen Frankreich und England nichts weniger als Vergnügen mache, indem die Allianz zwischen den beiden Staaten, wie sie in England verstanden und von den Tuilerien acceptirt werde, zu theuer erkauft seyn dürfte. - Der Courrier francais bemerkt:

Nach der amtlichen Gazette ist Generalmajor Sir Willoughby Cotton, zweiter Befehlshaber der Indus-Armee, zum Großkreuz des Bath-Ordens, Dr. Pepys zum Bischof von Man und Sodor ernannt

** Oberhaussitzung vom 3 Febr. Lord Melbourne erklärt, in Anbetracht der Dringlichkeit der Sache und in Rücksicht auf die von dem edlen Herzog gegenüber (Wellington) gemachten Bemerkungen habe die Regierung sich entschlossen, die Naturalisationsbill für Prinz Albert auf ihren einfachsten Ausdruck zu bringen, d. h. sie fürs erste auf dessen bloße Naturalisation als brittischer Unterthan zu beschränken, die Frage wegen seines Rangs und Vortritts aber für eine spätere Parlamentsentscheidung auszusetzen. Das Haus geht in Committee über die Bill, deren bezügliche Clausel sofort gestrichen wurde. Beim Abgang der Post hatte Lord Brougham das Wort genommen, um eine Petition zu unterstützen, worin das Haus gebeten ward, sich bei Ihrer Maj. um Gewährung einer völligen Amnestie für die Verurtheilten in Monmouth zu verwenden. – Eine ähnliche Petition übergab Hr. Leader im Beginn der Unterhaussitzung am nämlichen Tag.

Der Kent Guardian versichert, Hr. Grote, der bekannte Bankier und liberales Parlamentsmitglied für die Londoner City, besonders eifriger Schutzredner der Ballotage, werde nächstens seinen Austritt aus dem Hause der Gemeinen anzeigen.

Nach Berichten aus verschiedenen Gegenden im Innern des Landes hat sich an den meisten Orten die Zahl der zu befördernden Briefe seit Einführung des Penny-Porto um das Drei- und Vierfache vermehrt. Die Bestimmung des Porto nach dem Gewicht wird vielfach zur Beförderung voluminöser Pakete mißbraucht.

Frankreich.

In der Sitzung der Akademie der Wissenschaften in Paris am 3. Febr. gab Hr.
Arago aus einem Schreiben des Hrn. v. Humboldt einige Details über die letzten Augenblicke des berühmten Blumenbach, eines der acht auswärtigen Associés der Akademie, der ohne besondere Leiden, und ohne den Tod zu fürchten, dessen Nähe er gesehen habe, im Alter von 88 Jahren entschlafen sey. „Ich weiß, habe er kurz zuvor gesagt, daß der Tod an meine Thüre geklopft hat, ich habe ihm aber noch nicht „Herein“ gerufen.“

Die Deputirtenkammer votirte am 5 Febr. den Entwurf zu einem Credit von 45,000 Fr. auf das Rechnungsjahr 1840für die Einsetzungskosten des Hrn. v. Latour d'Auvergne Laraguaix in das Cardinalat mit 219 weißen gegen 78 schwarze Kugeln. Eine Forderung von einem Credit von 300,000 Fr. für Wohlthätigkeitsanstalten ward mit 258 weißen gegen 28 schwarze Kugeln angenommen.

(Commerce.) Bei der Conferenz, welche zwischen dem Conseilpräsidenten, den Ministern des Innern und der Finanzen und der mit Prüfung der Dotation des Herzogs von Nemours beschäftigten Commission stattfand, theilten die Mitglieder des Cabinets der Commission einen bloßen Etat des Einkommens der Privatdomäne mit. Es war kein Actenstück zum Belege dieses Etats dabei. In Sachen der Gesetzgebung dürfen sich nun aber nicht auf officiöse Nachweisungen, sondern nur auf authentische Urkunden die Vorschläge der Commission und das definitive Votum der Kammer gründen. Ueberdieß ist zu bemerken, daß es in der betreffenden Sache nicht von Wichtigkeit war, das Einkommen zu declariren. Ein Familienvater versorgt und stattet seine Kinder nicht mit seinen Einkünften, sondern mit seinen Capitalien aus. Es ist sonach in dem wirklichen Werthe der Privatdomäne ein Capital zu constatiren. Diese ganz natürliche Bemerkung ward bereits von den Mitgliedern der Commission, die zu der Opposition gehören, gemacht. Es scheint unmöglich, daß sie nicht neue Erläuterungen hervorruft; diese Erläuterungen sind um so nothwendiger, als, wie wir nach sichern und allen Glauben verdienenden Angaben sagen können, die Privatdomäne bei weitem beträchtlicher ist, als man gewöhnlich glaubt, und als wir es selbst angegeben hatten.

(Le Droit.) Diesen Morgen unterhielt man sich in der Straße Bourg L'Abbé viel von einer Zusammenrottung von etwa hundert Individuen, die in der letzten Nacht, um Mitternacht, aus der Straße St. Martin mit aufrührerischem Geschrei und unter dem Gesang der Marseillaise hergezogen wären. Nach einem Stillstand von mehr als einer Stunde, und nachdem sie die Laternen an den Fiakern, denen sie begegneten, ausgelöscht und die Fiaker umzuwerfen Miene gemacht, hätten, sich diese Leute, deren Absichten man sich nicht erklären kann, unter Schreien und Drohungen wieder entfernt.

Sir R. Peels parlamentarische Erklärung zu Gunsten der englisch-französischen Allianz (s. gestern unter „Großbritannien“) hat bei der Pariser Presse große Sensation erregt. Dieß ist besonders der Fall bei denjenigen Journalen, welche, vergessend, daß die brittische Anerkennung der durch die Juliusrevolution herbeigeführten neuen Ordnung der Dinge in Frankreich unter einem Toryministerium erfolgte, bisher das Wort Tory in allen seinen Schattirungen als synonym mit Franzosenfeind betrachtet hatten. Und doch ist Peels Erklärung keine neue, sondern nur eine Wiederholung dessen, was der Baronet auch bei jedem früheren Anlaß geäußert. Der National, der in der ebengedachten Ansicht der französischen Presse über die Tories immer voranstand, bemerkt jetzt: „Lord Palmerston hatte vermuthlich darauf gerechnet, für diese Unterhausdebatten den Abschluß eines Vertrags mit Rußland in der orientalischen Frage benützen zu können, um seinen Gegnern Schweigen aufzulegen und sie alle die Fehler vergessen zu machen, die ihm von seinen politischen Freunden und Feinden vorgeworfen werden. Aber seine Bemühungen in dieser Hinsicht waren ein neuer Fehler, denn alle Parteien jenseits des Canals sind jetzt darüber einig, daß England, ohne seine Macht und seine Interessen zu gefährden, nicht an einen Bruch mit Frankreich denken könne.“ Der National citirt die Worte Peels, und fährt fort: „Und sämmtliche Whigjournale sehen in der Ernennung Hrn. Guizots das Vorzeichen eines sich gestaltenden innigeren Verhältnisses zwischen den beiden Nationen, als es in den Blüthentagen der Quadrupelallianz gewesen. Ihre Sprache hat sich plötzlich und auffallend verändert. Noch vor wenigen Tagen war es, diesen Journalen zufolge, England, das ein Aufgeben des französischen Bündnisses wünschte. Jetzt sagen sie, Frankreich allein wolle einen Bruch, Frankreich sey es, das, trotz aller Bemühungen und alles Entgegenkommens der Engländer, jede Gemeinschaft der Interessen und Grundsätze zurückweise. Man fleht uns an, uns zu bedenken, man beschwört uns, nicht eine Trennung zu vollenden, die für beide Nationen verderblich seyn würde. Diese Sprache ist verschieden von den früheren Drohungen mit dem Brunnow'schen Vertrag.“ Uebrigens ermangelt der National nicht, sein eigenes politisches Glaubensbekenntniß beizufügen, nämlich daß ihm das ohne Zweifel wiederauflebende gute Vernehmen zwischen Frankreich und England nichts weniger als Vergnügen mache, indem die Allianz zwischen den beiden Staaten, wie sie in England verstanden und von den Tuilerien acceptirt werde, zu theuer erkauft seyn dürfte. – Der Courrier français bemerkt:

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0001" n="0322"/>
          <p>Nach der amtlichen <hi rendition="#g">Gazette</hi> ist Generalmajor Sir Willoughby Cotton, zweiter Befehlshaber der Indus-Armee, zum Großkreuz des Bath-Ordens, Dr. Pepys zum Bischof von Man und Sodor ernannt</p><lb/>
          <p><bibl>**</bibl><hi rendition="#g">Oberhaussitzung</hi> vom 3 Febr. Lord <hi rendition="#g">Melbourne</hi> erklärt, in Anbetracht der Dringlichkeit der Sache und in Rücksicht auf die von dem edlen Herzog gegenüber (Wellington) gemachten Bemerkungen habe die Regierung sich entschlossen, die Naturalisationsbill für Prinz Albert auf ihren einfachsten Ausdruck zu bringen, d. h. sie fürs erste auf dessen bloße Naturalisation als brittischer Unterthan zu beschränken, die Frage wegen seines Rangs und Vortritts aber für eine spätere Parlamentsentscheidung auszusetzen. Das Haus geht in Committee über die Bill, deren bezügliche Clausel sofort gestrichen wurde. Beim Abgang der Post hatte Lord <hi rendition="#g">Brougham</hi> das Wort genommen, um eine Petition zu unterstützen, worin das Haus gebeten ward, sich bei Ihrer Maj. um Gewährung einer völligen Amnestie für die Verurtheilten in Monmouth zu verwenden. &#x2013; Eine ähnliche Petition übergab Hr. <hi rendition="#g">Leader</hi> im Beginn der <hi rendition="#g">Unterhaussitzung</hi> am nämlichen Tag.</p><lb/>
          <p>Der <hi rendition="#g">Kent Guardian</hi> versichert, Hr. Grote, der bekannte Bankier und liberales Parlamentsmitglied für die Londoner City, besonders eifriger Schutzredner der Ballotage, werde nächstens seinen Austritt aus dem Hause der Gemeinen anzeigen.</p><lb/>
          <p>Nach Berichten aus verschiedenen Gegenden im Innern des Landes hat sich an den meisten Orten die Zahl der zu befördernden Briefe seit Einführung des Penny-Porto um das Drei- und Vierfache vermehrt. Die Bestimmung des Porto nach dem Gewicht wird vielfach zur Beförderung voluminöser Pakete mißbraucht.</p>
        </div>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Frankreich.</hi> </head><lb/>
        <div n="2">
          <head/>
          <dateline><hi rendition="#b">Paris,</hi> 5 Febr.</dateline>
          <p/><lb/>
          <p>In der Sitzung der Akademie der Wissenschaften in Paris am 3. Febr. gab Hr.<lb/>
Arago aus einem Schreiben des Hrn. v. Humboldt einige Details über die letzten Augenblicke des berühmten Blumenbach, eines der acht auswärtigen Associés der Akademie, der ohne besondere Leiden, und ohne den Tod zu fürchten, dessen Nähe er gesehen habe, im Alter von 88 Jahren entschlafen sey. &#x201E;Ich weiß, habe er kurz zuvor gesagt, daß der Tod an meine Thüre geklopft hat, ich habe ihm aber noch nicht &#x201E;Herein&#x201C; gerufen.&#x201C;</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <byline>
            <docAuthor>*</docAuthor>
          </byline>
          <p> Die <hi rendition="#g">Deputirtenkammer</hi> votirte am 5 Febr. den Entwurf zu einem Credit von 45,000 Fr. auf das Rechnungsjahr 1840für die Einsetzungskosten des Hrn. v. Latour d'Auvergne Laraguaix in das Cardinalat mit 219 weißen gegen 78 schwarze Kugeln. Eine Forderung von einem Credit von 300,000 Fr. für Wohlthätigkeitsanstalten ward mit 258 weißen gegen 28 schwarze Kugeln angenommen.</p><lb/>
          <p>(<hi rendition="#g">Commerce</hi>.) Bei der Conferenz, welche zwischen dem Conseilpräsidenten, den Ministern des Innern und der Finanzen und der mit Prüfung der Dotation des Herzogs von Nemours beschäftigten Commission stattfand, theilten die Mitglieder des Cabinets der Commission einen bloßen Etat des Einkommens der Privatdomäne mit. Es war kein Actenstück zum Belege dieses Etats dabei. In Sachen der Gesetzgebung dürfen sich nun aber nicht auf officiöse Nachweisungen, sondern nur auf authentische Urkunden die Vorschläge der Commission und das definitive Votum der Kammer gründen. Ueberdieß ist zu bemerken, daß es in der betreffenden Sache nicht von Wichtigkeit war, das Einkommen zu declariren. Ein Familienvater versorgt und stattet seine Kinder nicht mit seinen Einkünften, sondern mit seinen Capitalien aus. Es ist sonach in dem wirklichen Werthe der Privatdomäne ein Capital zu constatiren. Diese ganz natürliche Bemerkung ward bereits von den Mitgliedern der Commission, die zu der Opposition gehören, gemacht. Es scheint unmöglich, daß sie nicht neue Erläuterungen hervorruft; diese Erläuterungen sind um so nothwendiger, als, wie wir nach sichern und allen Glauben verdienenden Angaben sagen können, die Privatdomäne bei weitem beträchtlicher ist, als man gewöhnlich glaubt, und als wir es selbst angegeben hatten.</p><lb/>
          <p>(<hi rendition="#g">Le Droit</hi>.) Diesen Morgen unterhielt man sich in der Straße Bourg L'Abbé viel von einer Zusammenrottung von etwa hundert Individuen, die in der letzten Nacht, um Mitternacht, aus der Straße St. Martin mit aufrührerischem Geschrei und unter dem Gesang der Marseillaise hergezogen wären. Nach einem Stillstand von mehr als einer Stunde, und nachdem sie die Laternen an den Fiakern, denen sie begegneten, ausgelöscht und die Fiaker umzuwerfen Miene gemacht, hätten, sich diese Leute, deren Absichten man sich nicht erklären kann, unter Schreien und Drohungen wieder entfernt.</p><lb/>
          <p>Sir R. Peels parlamentarische Erklärung zu Gunsten der englisch-französischen Allianz (s. gestern unter &#x201E;Großbritannien&#x201C;) hat bei der Pariser Presse große Sensation erregt. Dieß ist besonders der Fall bei denjenigen Journalen, welche, vergessend, daß die brittische Anerkennung der durch die Juliusrevolution herbeigeführten neuen Ordnung der Dinge in Frankreich unter einem Toryministerium erfolgte, bisher das Wort Tory in allen seinen Schattirungen als synonym mit Franzosenfeind betrachtet hatten. Und doch ist Peels Erklärung keine neue, sondern nur eine Wiederholung dessen, was der Baronet auch bei jedem früheren Anlaß geäußert. Der <hi rendition="#g">National</hi>, der in der ebengedachten Ansicht der französischen Presse über die Tories immer voranstand, bemerkt jetzt: &#x201E;Lord Palmerston hatte vermuthlich darauf gerechnet, für diese Unterhausdebatten den Abschluß eines Vertrags mit Rußland in der orientalischen Frage benützen zu können, um seinen Gegnern Schweigen aufzulegen und sie alle die Fehler vergessen zu machen, die ihm von seinen politischen Freunden und Feinden vorgeworfen werden. Aber seine Bemühungen in dieser Hinsicht waren ein neuer Fehler, denn alle Parteien jenseits des Canals sind jetzt darüber einig, daß England, ohne seine Macht und seine Interessen zu gefährden, nicht an einen Bruch mit Frankreich denken könne.&#x201C; Der National citirt die Worte Peels, und fährt fort: &#x201E;Und sämmtliche Whigjournale sehen in der Ernennung Hrn. Guizots das Vorzeichen eines sich gestaltenden innigeren Verhältnisses zwischen den beiden Nationen, als es in den Blüthentagen der Quadrupelallianz gewesen. Ihre Sprache hat sich plötzlich und auffallend verändert. Noch vor wenigen Tagen war es, diesen Journalen zufolge, England, das ein Aufgeben des französischen Bündnisses wünschte. Jetzt sagen sie, Frankreich allein wolle einen Bruch, Frankreich sey es, das, trotz aller Bemühungen und alles Entgegenkommens der Engländer, jede Gemeinschaft der Interessen und Grundsätze zurückweise. Man fleht uns an, uns zu bedenken, man beschwört uns, nicht eine Trennung zu vollenden, die für beide Nationen verderblich seyn würde. Diese Sprache ist verschieden von den früheren Drohungen mit dem Brunnow'schen Vertrag.&#x201C; Uebrigens ermangelt der National nicht, sein eigenes politisches Glaubensbekenntniß beizufügen, nämlich daß <hi rendition="#g">ihm</hi> das ohne Zweifel wiederauflebende gute Vernehmen zwischen Frankreich und England nichts weniger als Vergnügen mache, indem die Allianz zwischen den beiden Staaten, wie sie in England verstanden und von den Tuilerien acceptirt werde, zu theuer erkauft seyn dürfte. &#x2013; Der <hi rendition="#g">Courrier français</hi> bemerkt:<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0322/0001] Nach der amtlichen Gazette ist Generalmajor Sir Willoughby Cotton, zweiter Befehlshaber der Indus-Armee, zum Großkreuz des Bath-Ordens, Dr. Pepys zum Bischof von Man und Sodor ernannt ** Oberhaussitzung vom 3 Febr. Lord Melbourne erklärt, in Anbetracht der Dringlichkeit der Sache und in Rücksicht auf die von dem edlen Herzog gegenüber (Wellington) gemachten Bemerkungen habe die Regierung sich entschlossen, die Naturalisationsbill für Prinz Albert auf ihren einfachsten Ausdruck zu bringen, d. h. sie fürs erste auf dessen bloße Naturalisation als brittischer Unterthan zu beschränken, die Frage wegen seines Rangs und Vortritts aber für eine spätere Parlamentsentscheidung auszusetzen. Das Haus geht in Committee über die Bill, deren bezügliche Clausel sofort gestrichen wurde. Beim Abgang der Post hatte Lord Brougham das Wort genommen, um eine Petition zu unterstützen, worin das Haus gebeten ward, sich bei Ihrer Maj. um Gewährung einer völligen Amnestie für die Verurtheilten in Monmouth zu verwenden. – Eine ähnliche Petition übergab Hr. Leader im Beginn der Unterhaussitzung am nämlichen Tag. Der Kent Guardian versichert, Hr. Grote, der bekannte Bankier und liberales Parlamentsmitglied für die Londoner City, besonders eifriger Schutzredner der Ballotage, werde nächstens seinen Austritt aus dem Hause der Gemeinen anzeigen. Nach Berichten aus verschiedenen Gegenden im Innern des Landes hat sich an den meisten Orten die Zahl der zu befördernden Briefe seit Einführung des Penny-Porto um das Drei- und Vierfache vermehrt. Die Bestimmung des Porto nach dem Gewicht wird vielfach zur Beförderung voluminöser Pakete mißbraucht. Frankreich. Paris, 5 Febr. In der Sitzung der Akademie der Wissenschaften in Paris am 3. Febr. gab Hr. Arago aus einem Schreiben des Hrn. v. Humboldt einige Details über die letzten Augenblicke des berühmten Blumenbach, eines der acht auswärtigen Associés der Akademie, der ohne besondere Leiden, und ohne den Tod zu fürchten, dessen Nähe er gesehen habe, im Alter von 88 Jahren entschlafen sey. „Ich weiß, habe er kurz zuvor gesagt, daß der Tod an meine Thüre geklopft hat, ich habe ihm aber noch nicht „Herein“ gerufen.“ * Die Deputirtenkammer votirte am 5 Febr. den Entwurf zu einem Credit von 45,000 Fr. auf das Rechnungsjahr 1840für die Einsetzungskosten des Hrn. v. Latour d'Auvergne Laraguaix in das Cardinalat mit 219 weißen gegen 78 schwarze Kugeln. Eine Forderung von einem Credit von 300,000 Fr. für Wohlthätigkeitsanstalten ward mit 258 weißen gegen 28 schwarze Kugeln angenommen. (Commerce.) Bei der Conferenz, welche zwischen dem Conseilpräsidenten, den Ministern des Innern und der Finanzen und der mit Prüfung der Dotation des Herzogs von Nemours beschäftigten Commission stattfand, theilten die Mitglieder des Cabinets der Commission einen bloßen Etat des Einkommens der Privatdomäne mit. Es war kein Actenstück zum Belege dieses Etats dabei. In Sachen der Gesetzgebung dürfen sich nun aber nicht auf officiöse Nachweisungen, sondern nur auf authentische Urkunden die Vorschläge der Commission und das definitive Votum der Kammer gründen. Ueberdieß ist zu bemerken, daß es in der betreffenden Sache nicht von Wichtigkeit war, das Einkommen zu declariren. Ein Familienvater versorgt und stattet seine Kinder nicht mit seinen Einkünften, sondern mit seinen Capitalien aus. Es ist sonach in dem wirklichen Werthe der Privatdomäne ein Capital zu constatiren. Diese ganz natürliche Bemerkung ward bereits von den Mitgliedern der Commission, die zu der Opposition gehören, gemacht. Es scheint unmöglich, daß sie nicht neue Erläuterungen hervorruft; diese Erläuterungen sind um so nothwendiger, als, wie wir nach sichern und allen Glauben verdienenden Angaben sagen können, die Privatdomäne bei weitem beträchtlicher ist, als man gewöhnlich glaubt, und als wir es selbst angegeben hatten. (Le Droit.) Diesen Morgen unterhielt man sich in der Straße Bourg L'Abbé viel von einer Zusammenrottung von etwa hundert Individuen, die in der letzten Nacht, um Mitternacht, aus der Straße St. Martin mit aufrührerischem Geschrei und unter dem Gesang der Marseillaise hergezogen wären. Nach einem Stillstand von mehr als einer Stunde, und nachdem sie die Laternen an den Fiakern, denen sie begegneten, ausgelöscht und die Fiaker umzuwerfen Miene gemacht, hätten, sich diese Leute, deren Absichten man sich nicht erklären kann, unter Schreien und Drohungen wieder entfernt. Sir R. Peels parlamentarische Erklärung zu Gunsten der englisch-französischen Allianz (s. gestern unter „Großbritannien“) hat bei der Pariser Presse große Sensation erregt. Dieß ist besonders der Fall bei denjenigen Journalen, welche, vergessend, daß die brittische Anerkennung der durch die Juliusrevolution herbeigeführten neuen Ordnung der Dinge in Frankreich unter einem Toryministerium erfolgte, bisher das Wort Tory in allen seinen Schattirungen als synonym mit Franzosenfeind betrachtet hatten. Und doch ist Peels Erklärung keine neue, sondern nur eine Wiederholung dessen, was der Baronet auch bei jedem früheren Anlaß geäußert. Der National, der in der ebengedachten Ansicht der französischen Presse über die Tories immer voranstand, bemerkt jetzt: „Lord Palmerston hatte vermuthlich darauf gerechnet, für diese Unterhausdebatten den Abschluß eines Vertrags mit Rußland in der orientalischen Frage benützen zu können, um seinen Gegnern Schweigen aufzulegen und sie alle die Fehler vergessen zu machen, die ihm von seinen politischen Freunden und Feinden vorgeworfen werden. Aber seine Bemühungen in dieser Hinsicht waren ein neuer Fehler, denn alle Parteien jenseits des Canals sind jetzt darüber einig, daß England, ohne seine Macht und seine Interessen zu gefährden, nicht an einen Bruch mit Frankreich denken könne.“ Der National citirt die Worte Peels, und fährt fort: „Und sämmtliche Whigjournale sehen in der Ernennung Hrn. Guizots das Vorzeichen eines sich gestaltenden innigeren Verhältnisses zwischen den beiden Nationen, als es in den Blüthentagen der Quadrupelallianz gewesen. Ihre Sprache hat sich plötzlich und auffallend verändert. Noch vor wenigen Tagen war es, diesen Journalen zufolge, England, das ein Aufgeben des französischen Bündnisses wünschte. Jetzt sagen sie, Frankreich allein wolle einen Bruch, Frankreich sey es, das, trotz aller Bemühungen und alles Entgegenkommens der Engländer, jede Gemeinschaft der Interessen und Grundsätze zurückweise. Man fleht uns an, uns zu bedenken, man beschwört uns, nicht eine Trennung zu vollenden, die für beide Nationen verderblich seyn würde. Diese Sprache ist verschieden von den früheren Drohungen mit dem Brunnow'schen Vertrag.“ Uebrigens ermangelt der National nicht, sein eigenes politisches Glaubensbekenntniß beizufügen, nämlich daß ihm das ohne Zweifel wiederauflebende gute Vernehmen zwischen Frankreich und England nichts weniger als Vergnügen mache, indem die Allianz zwischen den beiden Staaten, wie sie in England verstanden und von den Tuilerien acceptirt werde, zu theuer erkauft seyn dürfte. – Der Courrier français bemerkt:

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Deutsches Textarchiv: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-06-28T11:37:15Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-06-28T11:37:15Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: gekennzeichnet; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: gekennzeichnet; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): wie Vorlage; i/j in Fraktur: Lautwert transkribiert; I/J in Fraktur: Lautwert transkribiert; Kolumnentitel: gekennzeichnet; Kustoden: gekennzeichnet; langes s (ſ): als s transkribiert; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (&#xa75b;): als r/et transkribiert; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: Lautwert transkribiert; Vokale mit übergest. e: als ä/ö/ü transkribiert; Vollständigkeit: teilweise erfasst; Zeichensetzung: wie Vorlage; Zeilenumbrüche markiert: nein;




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_041_18400210
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_041_18400210/1
Zitationshilfe: Allgemeine Zeitung. Nr. 41. Augsburg, 10. Februar 1840, S. 0322. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_041_18400210/1>, abgerufen am 24.02.2020.