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Allgemeine Zeitung. Nr. 14. Augsburg, 14. Januar 1840.

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geringerem Umfang stattfinden soll. Gez. v. Stark." Das Comite hat sich hierauf aufgelöst.

In der gestrigen Sitzung der Ständeversammlung berichtete Hr. v. Münchhausen über die Ausgaben des kurfürstlichen Hofes, welche nach Convention mit 392,000 Thlrn. in den Grundetat aufzunehmen beschlossen wurde. (Kass. Z.)

Rußland.

(Commerce). Der Schah von Persien hat, einem Schreiben aus St. Petersburg zufolge, der russischen Regierung Geleite für alle Convois von Mannschaft, Munition u. s. w. angeboten, welche Rußland durch das persische Gebiet gegen den Khan von Khiwa richten möchte.


Griechenland.

Am 21 Dec. wurde der Geburtstag der Königin durch ein Tedeum in der Irenenkirche, welchem auch JJ. MM. beizuwohnte, durch kleine Cour und Handkuß bei der Königin, und durch ein Diner von sechzig Gedecken bei Hofe, zu welchem außer dem diplomatischen Corps die Minister und Staatsräthe geladen waren, festlich begangen. Schon einige Tage vorher war die mit der Verwaltung des Finanzministeriums beauftragte Commission durch die Ernennung des Referendars beim Staatsrathe, Hrn. Probeleagios, zum Finanzrathe um ein Mitglied vermehrt worden. Gleichzeitig erfolgte die Entlassung des Staatsprocurators beim Rechnungshofe, Lassanis, der im letzten Jahre der Armanspergischen Verwaltung Finanzdirector gewesen war; an seine Stelle ist der Staatsrath Praides ernannt worden, an die Stelle des letzteren der Generalcassier Daras zum Vicepräsidenten des Rechnungshofes, und den Posten des Generalcassiers hat der bisherige Finanzminister Spaniolakis, der ihn schon früher bekleidete, wieder erhalten. Diese sämmtlichen Ernennungen sind neue Beweise der umsichtigen Sorgfalt, welche Se. M. der König mit rastlosem Eifer der Verbesserung der Finanzverwaltung widmet, und sind auch von den unabhängigen Journalen mit großem Danke aufgenommen worden. - Vor vierzehn Tagen hat die Auswechselung der Ratificationen des mit Preußen abgeschlossenen Handelsvertrages statt gehabt, und der Minister Zographos, der noch in Konstantinopel ist, hat bei dieser Veranlassung das Großkreuz des rothen Adlerordens, so wie der Preußische Gesandte Hr. von St. Simon die Decoration des Großcommandeurs des Erlöserordens erhalten. - Die Kairis-Angelegenheit zuckt noch nach. Gegen zwanzig junge Männer, Zuhörer des verbannten Priesters, sind in einem Blatte mit einer Vertheidigung ihres Lehrers, und mit harten Beschuldigungen gegen das Verfahren der h. Synode aufgetreten. Fühlt sich die Synode stark in ihrem Rechte, so kann ein solcher motivirter und mit Namensunterschriften versehener Angriff nicht ungeahndet bleiben; bliebe er aber unberücksichtigt, so dürften die Zweifel an der Gerechtigkeit der Synodalprocedur dadurch nur noch genährt werden. Dazu kommt nun noch ein Gesuch an Se. M. den König von einhundert der angesehensten Einwohner von Andros, worunter allein neun Mitglieder des Gemeinderathes; sie bitten in den dringendsten Ausdrücken um die Freilassung des Kairis, den sie als ihren Mitbürger seit zwanzig Jahren genau kennen, von dessen Tugend, Gottesfurcht und wahrer Frömmigkeit sie alle Zeugen seyen, in dem sie den Wohlthäter und Erzieher ihrer Kinder verehren, und gegen den alle erhobenen Anklagen grundlos seyen. Endlich heißt es, daß die Staatsprocuratoren des Appellations- und Cassationshofes, ihrer Amtspflicht gemäß, an das Cultusministerium die Anfrage gestellt haben, kraft welches Gesetzartikels und Urtheilsspruches dasselbe den Theophilos Kairis von seinem heimathlichen Herde weggebracht und in ein Kloster gesperrt habe. - Die letzte Nummer der Athena enthält einen langen nicht übel geschriebenen Artikel über die orientalische Frage, der den Satz ausführt, daß die einzige im wahren Interesse einer aufrichtig gemeinten Erhaltung der Unabhängigkeit der Türkei zu ergreifende Maaßregel seyn würde, alle wesentlich hellenischen Lande, also Kreta, die kleinen asiatischen Inseln, Thessalien und Epirus, mit Griechenland zu vereinigen. Dadurch fiele fortan aller Grund zu Mißtrauen und Eifersucht zwischen beiden Nachbarstaaten weg, die Türkei würde aller fremdartigen Ingredienzien ledig, die jetzt einer gewissen Macht vorzugsweise als Hebel ungebührlichen Einflusses dienen, und beide Reiche würden fortan kein anderes Interesse haben, als ruhig in ihrer Entwickelung fortschreitend, gemeinsam allen möglichen Uebergriffen eines Dritten zu widerstehen. Die Idee ist nicht ganz verwerflich, und Griechenland dürfte wohl bei den orientalischen Conferenzen einige Berücksichtigung verdienen, zum Dank für die Langmuth, mit welcher es im verflossenen Sommer die so vortheilhaften Umstände unbenutzt gelassen.

Briefe, welche von der nördlichen Gränze hier einliefen, wollen wissen, daß eine große Anzahl Albanesen in der Provinz Tzamouria gegen die Autorität des Sultans sich erhoben, sich gegen Arta und Prevesa gewendet habe, und solche gleichsam blokire. Als Chefs dieser revolutionären Bewegung bezeichnet man Liolios-Tsapari und die Söhne Mustapha Pascha's, welche man durch Mehemed Ali geleitet glaubt. Man schenkt hier diesen Gerüchten noch keinen festen Glauben, da die bis jetzt nach Athen gekommenen Gerüchte in der orientalischen Sache schon so oft trügten. - Die Milde unsers Winters ist bemerkenswerth, wir hatten am Weihnachtstage im Schatten 19 Grad Wärme.

Ostindien.

Nach dem Bengal Hurkuru wird der Opiumhandel an der chinesischen Küste fort und fort betrieben, und zwar zu guten Preisen; die Zahlung geschieht an Bord der Schiffe. Man scheint Manilla, die Hauptstadt der Philippinen, zum Depot des Opiumhandels machen zu wollen, denn mehrere Schiffe sind, wenn sie ihr Opium abgesetzt hatten, nach Manilla gesegelt, um sich dort aufs neue zu versorgen.

Die Regierung in Calcutta hat eine Posteinrichtung getroffen, wodurch Briefe regelmäßig von Ludianah durch den Pendschab und den Kheiber-Paß nach Afghanistan expedirt werden.

Dr. Richardson, der eine neue Reise nach den Schan-Staaten unternommen, hatte nach dem Maulmein Chronicle seit mehreren Monaten nichts von sich hören lassen, so daß man anfing zu fürchten, er möchte der Böswilligkeit der Birmanen zum Ofper gefallen seyn.



geringerem Umfang stattfinden soll. Gez. v. Stark.“ Das Comité hat sich hierauf aufgelöst.

In der gestrigen Sitzung der Ständeversammlung berichtete Hr. v. Münchhausen über die Ausgaben des kurfürstlichen Hofes, welche nach Convention mit 392,000 Thlrn. in den Grundetat aufzunehmen beschlossen wurde. (Kass. Z.)

Rußland.

(Commerce). Der Schah von Persien hat, einem Schreiben aus St. Petersburg zufolge, der russischen Regierung Geleite für alle Convois von Mannschaft, Munition u. s. w. angeboten, welche Rußland durch das persische Gebiet gegen den Khan von Khiwa richten möchte.


Griechenland.

Am 21 Dec. wurde der Geburtstag der Königin durch ein Tedeum in der Irenenkirche, welchem auch JJ. MM. beizuwohnte, durch kleine Cour und Handkuß bei der Königin, und durch ein Diner von sechzig Gedecken bei Hofe, zu welchem außer dem diplomatischen Corps die Minister und Staatsräthe geladen waren, festlich begangen. Schon einige Tage vorher war die mit der Verwaltung des Finanzministeriums beauftragte Commission durch die Ernennung des Referendars beim Staatsrathe, Hrn. Probeleagios, zum Finanzrathe um ein Mitglied vermehrt worden. Gleichzeitig erfolgte die Entlassung des Staatsprocurators beim Rechnungshofe, Lassanis, der im letzten Jahre der Armanspergischen Verwaltung Finanzdirector gewesen war; an seine Stelle ist der Staatsrath Praïdes ernannt worden, an die Stelle des letzteren der Generalcassier Daras zum Vicepräsidenten des Rechnungshofes, und den Posten des Generalcassiers hat der bisherige Finanzminister Spaniolakis, der ihn schon früher bekleidete, wieder erhalten. Diese sämmtlichen Ernennungen sind neue Beweise der umsichtigen Sorgfalt, welche Se. M. der König mit rastlosem Eifer der Verbesserung der Finanzverwaltung widmet, und sind auch von den unabhängigen Journalen mit großem Danke aufgenommen worden. – Vor vierzehn Tagen hat die Auswechselung der Ratificationen des mit Preußen abgeschlossenen Handelsvertrages statt gehabt, und der Minister Zographos, der noch in Konstantinopel ist, hat bei dieser Veranlassung das Großkreuz des rothen Adlerordens, so wie der Preußische Gesandte Hr. von St. Simon die Decoration des Großcommandeurs des Erlöserordens erhalten. – Die Kaïris-Angelegenheit zuckt noch nach. Gegen zwanzig junge Männer, Zuhörer des verbannten Priesters, sind in einem Blatte mit einer Vertheidigung ihres Lehrers, und mit harten Beschuldigungen gegen das Verfahren der h. Synode aufgetreten. Fühlt sich die Synode stark in ihrem Rechte, so kann ein solcher motivirter und mit Namensunterschriften versehener Angriff nicht ungeahndet bleiben; bliebe er aber unberücksichtigt, so dürften die Zweifel an der Gerechtigkeit der Synodalprocedur dadurch nur noch genährt werden. Dazu kommt nun noch ein Gesuch an Se. M. den König von einhundert der angesehensten Einwohner von Andros, worunter allein neun Mitglieder des Gemeinderathes; sie bitten in den dringendsten Ausdrücken um die Freilassung des Kaïris, den sie als ihren Mitbürger seit zwanzig Jahren genau kennen, von dessen Tugend, Gottesfurcht und wahrer Frömmigkeit sie alle Zeugen seyen, in dem sie den Wohlthäter und Erzieher ihrer Kinder verehren, und gegen den alle erhobenen Anklagen grundlos seyen. Endlich heißt es, daß die Staatsprocuratoren des Appellations- und Cassationshofes, ihrer Amtspflicht gemäß, an das Cultusministerium die Anfrage gestellt haben, kraft welches Gesetzartikels und Urtheilsspruches dasselbe den Theophilos Kaïris von seinem heimathlichen Herde weggebracht und in ein Kloster gesperrt habe. – Die letzte Nummer der Athena enthält einen langen nicht übel geschriebenen Artikel über die orientalische Frage, der den Satz ausführt, daß die einzige im wahren Interesse einer aufrichtig gemeinten Erhaltung der Unabhängigkeit der Türkei zu ergreifende Maaßregel seyn würde, alle wesentlich hellenischen Lande, also Kreta, die kleinen asiatischen Inseln, Thessalien und Epirus, mit Griechenland zu vereinigen. Dadurch fiele fortan aller Grund zu Mißtrauen und Eifersucht zwischen beiden Nachbarstaaten weg, die Türkei würde aller fremdartigen Ingredienzien ledig, die jetzt einer gewissen Macht vorzugsweise als Hebel ungebührlichen Einflusses dienen, und beide Reiche würden fortan kein anderes Interesse haben, als ruhig in ihrer Entwickelung fortschreitend, gemeinsam allen möglichen Uebergriffen eines Dritten zu widerstehen. Die Idee ist nicht ganz verwerflich, und Griechenland dürfte wohl bei den orientalischen Conferenzen einige Berücksichtigung verdienen, zum Dank für die Langmuth, mit welcher es im verflossenen Sommer die so vortheilhaften Umstände unbenutzt gelassen.

Briefe, welche von der nördlichen Gränze hier einliefen, wollen wissen, daß eine große Anzahl Albanesen in der Provinz Tzamourià gegen die Autorität des Sultans sich erhoben, sich gegen Arta und Prevesa gewendet habe, und solche gleichsam blokire. Als Chefs dieser revolutionären Bewegung bezeichnet man Liolios-Tsapari und die Söhne Mustapha Pascha's, welche man durch Mehemed Ali geleitet glaubt. Man schenkt hier diesen Gerüchten noch keinen festen Glauben, da die bis jetzt nach Athen gekommenen Gerüchte in der orientalischen Sache schon so oft trügten. – Die Milde unsers Winters ist bemerkenswerth, wir hatten am Weihnachtstage im Schatten 19 Grad Wärme.

Ostindien.

Nach dem Bengal Hurkuru wird der Opiumhandel an der chinesischen Küste fort und fort betrieben, und zwar zu guten Preisen; die Zahlung geschieht an Bord der Schiffe. Man scheint Manilla, die Hauptstadt der Philippinen, zum Depot des Opiumhandels machen zu wollen, denn mehrere Schiffe sind, wenn sie ihr Opium abgesetzt hatten, nach Manilla gesegelt, um sich dort aufs neue zu versorgen.

Die Regierung in Calcutta hat eine Posteinrichtung getroffen, wodurch Briefe regelmäßig von Ludianah durch den Pendschab und den Kheiber-Paß nach Afghanistan expedirt werden.

Dr. Richardson, der eine neue Reise nach den Schan-Staaten unternommen, hatte nach dem Maulmein Chronicle seit mehreren Monaten nichts von sich hören lassen, so daß man anfing zu fürchten, er möchte der Böswilligkeit der Birmanen zum Ofper gefallen seyn.


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[0111/0007] geringerem Umfang stattfinden soll. Gez. v. Stark.“ Das Comité hat sich hierauf aufgelöst. Kassel, 4 Jan. In der gestrigen Sitzung der Ständeversammlung berichtete Hr. v. Münchhausen über die Ausgaben des kurfürstlichen Hofes, welche nach Convention mit 392,000 Thlrn. in den Grundetat aufzunehmen beschlossen wurde. (Kass. Z.) Rußland. (Commerce). Der Schah von Persien hat, einem Schreiben aus St. Petersburg zufolge, der russischen Regierung Geleite für alle Convois von Mannschaft, Munition u. s. w. angeboten, welche Rußland durch das persische Gebiet gegen den Khan von Khiwa richten möchte. Griechenland. ***Athen, 27 Dec. Am 21 Dec. wurde der Geburtstag der Königin durch ein Tedeum in der Irenenkirche, welchem auch JJ. MM. beizuwohnte, durch kleine Cour und Handkuß bei der Königin, und durch ein Diner von sechzig Gedecken bei Hofe, zu welchem außer dem diplomatischen Corps die Minister und Staatsräthe geladen waren, festlich begangen. Schon einige Tage vorher war die mit der Verwaltung des Finanzministeriums beauftragte Commission durch die Ernennung des Referendars beim Staatsrathe, Hrn. Probeleagios, zum Finanzrathe um ein Mitglied vermehrt worden. Gleichzeitig erfolgte die Entlassung des Staatsprocurators beim Rechnungshofe, Lassanis, der im letzten Jahre der Armanspergischen Verwaltung Finanzdirector gewesen war; an seine Stelle ist der Staatsrath Praïdes ernannt worden, an die Stelle des letzteren der Generalcassier Daras zum Vicepräsidenten des Rechnungshofes, und den Posten des Generalcassiers hat der bisherige Finanzminister Spaniolakis, der ihn schon früher bekleidete, wieder erhalten. Diese sämmtlichen Ernennungen sind neue Beweise der umsichtigen Sorgfalt, welche Se. M. der König mit rastlosem Eifer der Verbesserung der Finanzverwaltung widmet, und sind auch von den unabhängigen Journalen mit großem Danke aufgenommen worden. – Vor vierzehn Tagen hat die Auswechselung der Ratificationen des mit Preußen abgeschlossenen Handelsvertrages statt gehabt, und der Minister Zographos, der noch in Konstantinopel ist, hat bei dieser Veranlassung das Großkreuz des rothen Adlerordens, so wie der Preußische Gesandte Hr. von St. Simon die Decoration des Großcommandeurs des Erlöserordens erhalten. – Die Kaïris-Angelegenheit zuckt noch nach. Gegen zwanzig junge Männer, Zuhörer des verbannten Priesters, sind in einem Blatte mit einer Vertheidigung ihres Lehrers, und mit harten Beschuldigungen gegen das Verfahren der h. Synode aufgetreten. Fühlt sich die Synode stark in ihrem Rechte, so kann ein solcher motivirter und mit Namensunterschriften versehener Angriff nicht ungeahndet bleiben; bliebe er aber unberücksichtigt, so dürften die Zweifel an der Gerechtigkeit der Synodalprocedur dadurch nur noch genährt werden. Dazu kommt nun noch ein Gesuch an Se. M. den König von einhundert der angesehensten Einwohner von Andros, worunter allein neun Mitglieder des Gemeinderathes; sie bitten in den dringendsten Ausdrücken um die Freilassung des Kaïris, den sie als ihren Mitbürger seit zwanzig Jahren genau kennen, von dessen Tugend, Gottesfurcht und wahrer Frömmigkeit sie alle Zeugen seyen, in dem sie den Wohlthäter und Erzieher ihrer Kinder verehren, und gegen den alle erhobenen Anklagen grundlos seyen. Endlich heißt es, daß die Staatsprocuratoren des Appellations- und Cassationshofes, ihrer Amtspflicht gemäß, an das Cultusministerium die Anfrage gestellt haben, kraft welches Gesetzartikels und Urtheilsspruches dasselbe den Theophilos Kaïris von seinem heimathlichen Herde weggebracht und in ein Kloster gesperrt habe. – Die letzte Nummer der Athena enthält einen langen nicht übel geschriebenen Artikel über die orientalische Frage, der den Satz ausführt, daß die einzige im wahren Interesse einer aufrichtig gemeinten Erhaltung der Unabhängigkeit der Türkei zu ergreifende Maaßregel seyn würde, alle wesentlich hellenischen Lande, also Kreta, die kleinen asiatischen Inseln, Thessalien und Epirus, mit Griechenland zu vereinigen. Dadurch fiele fortan aller Grund zu Mißtrauen und Eifersucht zwischen beiden Nachbarstaaten weg, die Türkei würde aller fremdartigen Ingredienzien ledig, die jetzt einer gewissen Macht vorzugsweise als Hebel ungebührlichen Einflusses dienen, und beide Reiche würden fortan kein anderes Interesse haben, als ruhig in ihrer Entwickelung fortschreitend, gemeinsam allen möglichen Uebergriffen eines Dritten zu widerstehen. Die Idee ist nicht ganz verwerflich, und Griechenland dürfte wohl bei den orientalischen Conferenzen einige Berücksichtigung verdienen, zum Dank für die Langmuth, mit welcher es im verflossenen Sommer die so vortheilhaften Umstände unbenutzt gelassen. * Athen, 27 December. Briefe, welche von der nördlichen Gränze hier einliefen, wollen wissen, daß eine große Anzahl Albanesen in der Provinz Tzamourià gegen die Autorität des Sultans sich erhoben, sich gegen Arta und Prevesa gewendet habe, und solche gleichsam blokire. Als Chefs dieser revolutionären Bewegung bezeichnet man Liolios-Tsapari und die Söhne Mustapha Pascha's, welche man durch Mehemed Ali geleitet glaubt. Man schenkt hier diesen Gerüchten noch keinen festen Glauben, da die bis jetzt nach Athen gekommenen Gerüchte in der orientalischen Sache schon so oft trügten. – Die Milde unsers Winters ist bemerkenswerth, wir hatten am Weihnachtstage im Schatten 19 Grad Wärme. Ostindien. Nach dem Bengal Hurkuru wird der Opiumhandel an der chinesischen Küste fort und fort betrieben, und zwar zu guten Preisen; die Zahlung geschieht an Bord der Schiffe. Man scheint Manilla, die Hauptstadt der Philippinen, zum Depot des Opiumhandels machen zu wollen, denn mehrere Schiffe sind, wenn sie ihr Opium abgesetzt hatten, nach Manilla gesegelt, um sich dort aufs neue zu versorgen. Die Regierung in Calcutta hat eine Posteinrichtung getroffen, wodurch Briefe regelmäßig von Ludianah durch den Pendschab und den Kheiber-Paß nach Afghanistan expedirt werden. Dr. Richardson, der eine neue Reise nach den Schan-Staaten unternommen, hatte nach dem Maulmein Chronicle seit mehreren Monaten nichts von sich hören lassen, so daß man anfing zu fürchten, er möchte der Böswilligkeit der Birmanen zum Ofper gefallen seyn.

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Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Deutsches Textarchiv: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-06-28T11:37:15Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-06-28T11:37:15Z)

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Bogensignaturen: gekennzeichnet; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: gekennzeichnet; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): wie Vorlage; i/j in Fraktur: Lautwert transkribiert; I/J in Fraktur: Lautwert transkribiert; Kolumnentitel: gekennzeichnet; Kustoden: gekennzeichnet; langes s (ſ): als s transkribiert; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (&#xa75b;): als r/et transkribiert; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: Lautwert transkribiert; Vokale mit übergest. e: als ä/ö/ü transkribiert; Vollständigkeit: teilweise erfasst; Zeichensetzung: wie Vorlage; Zeilenumbrüche markiert: nein;




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Zitationshilfe: Allgemeine Zeitung. Nr. 14. Augsburg, 14. Januar 1840, S. 0111. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_014_18400114/7>, abgerufen am 20.09.2020.