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Aston, Louise: Aus dem Leben einer Frau. Hamburg, 1847.

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der Damen zu umgeben pflegt. Ein blankgebohnter Nußbaumtisch, drei geflochtene kleine Rohrsessel, ein Spiegel in Duodezform bildeten mit dem Sopha das ganze Meublement. In einer Ecke lehnte eine Harfe, mit einem halbverwelkten Immortellenkranz geschmückt, während auf dem niedrigen Festergesimse wie zum Hohn für das abgestorbene Bild der Unsterblichkeit üppig blühende Geranien und Rosen prangten. Die Wände des Zimmers waren blendend weiß, nur hin und wieder mit schwarzen Kreidezeichnungen dekorirt, denen Nußbaumholz zum rohen Rahmen diente, wahrscheinlich Reminiscenzen aus der frühesten Jugend des Mädchens. Mitten in dieser Einfachheit that es dem Auge fast weh, auf dem Roccoco-Tisch Gegenstände des feinsten Luxus zu finden. In chaotischer Unordnung lagen die kostbarsten Preciosen umher. Ein elegantes, rothes Saffian-Etui ließ einen prachtvollen Rubinschmuck hervorschimmern; Blonden und Kanten blickten neugierig aus ihren halbgeöffneten Kartons zu einem Atlas-Kleid hinüber, das über der Sophalehne hing, gleich als ob

der Damen zu umgeben pflegt. Ein blankgebohnter Nußbaumtisch, drei geflochtene kleine Rohrsessel, ein Spiegel in Duodezform bildeten mit dem Sopha das ganze Meublement. In einer Ecke lehnte eine Harfe, mit einem halbverwelkten Immortellenkranz geschmückt, während auf dem niedrigen Festergesimse wie zum Hohn für das abgestorbene Bild der Unsterblichkeit üppig blühende Geranien und Rosen prangten. Die Wände des Zimmers waren blendend weiß, nur hin und wieder mit schwarzen Kreidezeichnungen dekorirt, denen Nußbaumholz zum rohen Rahmen diente, wahrscheinlich Reminiscenzen aus der frühesten Jugend des Mädchens. Mitten in dieser Einfachheit that es dem Auge fast weh, auf dem Roccoco-Tisch Gegenstände des feinsten Luxus zu finden. In chaotischer Unordnung lagen die kostbarsten Preciosen umher. Ein elegantes, rothes Saffian-Etui ließ einen prachtvollen Rubinschmuck hervorschimmern; Blonden und Kanten blickten neugierig aus ihren halbgeöffneten Kartons zu einem Atlas-Kleid hinüber, das über der Sophalehne hing, gleich als ob

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[4/0016] der Damen zu umgeben pflegt. Ein blankgebohnter Nußbaumtisch, drei geflochtene kleine Rohrsessel, ein Spiegel in Duodezform bildeten mit dem Sopha das ganze Meublement. In einer Ecke lehnte eine Harfe, mit einem halbverwelkten Immortellenkranz geschmückt, während auf dem niedrigen Festergesimse wie zum Hohn für das abgestorbene Bild der Unsterblichkeit üppig blühende Geranien und Rosen prangten. Die Wände des Zimmers waren blendend weiß, nur hin und wieder mit schwarzen Kreidezeichnungen dekorirt, denen Nußbaumholz zum rohen Rahmen diente, wahrscheinlich Reminiscenzen aus der frühesten Jugend des Mädchens. Mitten in dieser Einfachheit that es dem Auge fast weh, auf dem Roccoco-Tisch Gegenstände des feinsten Luxus zu finden. In chaotischer Unordnung lagen die kostbarsten Preciosen umher. Ein elegantes, rothes Saffian-Etui ließ einen prachtvollen Rubinschmuck hervorschimmern; Blonden und Kanten blickten neugierig aus ihren halbgeöffneten Kartons zu einem Atlas-Kleid hinüber, das über der Sophalehne hing, gleich als ob

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Zitationshilfe: Aston, Louise: Aus dem Leben einer Frau. Hamburg, 1847, S. 4. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/aston_leben_1847/16>, abgerufen am 30.09.2020.