Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Arnold, Gottfried: Unpartheyische Kirchen- und Ketzer-Historie. Bd. 2 (T. 3/4). Frankfurt (Main), 1700.

Bild:
<< vorherige Seite

Th. III. C. III. Von dem auctore des Hertzensspiegels
[Spaltenumbruch] Jahr
MDC.
biß
MDCC
"durch den einwesigen geist GOttes dasselbe
"zeugniß bedienen: und nicht unsere eigne opi-
"nion.
Jch sage mit der wahrheit JEsu Chri-
"sti/ daß wir nicht dencken oder meynen/ daß
"wir durch unsere vernunfft/ einigen dienst Got-
"tes solten können bedienen. O nein. Das
"ist unsers vermögens nicht. Sondern der ein-
"wesige geist JEsu CHristi bedienet sich selbst
"aus seinem freyen ungeeigneten wesen in den
"gehorsamen seelen.

"Dieses nehme ein jeglicher leser wol zu her-
"tzen; Und nehme sie zur dienstbarkeit/ um zum
"wesen GOttes zukommen/ von GOttes we-
"gen zu einem behülff an: Und dancke GOtt
"für seine gnade. Und lasse GOttes gnädi-
"ge wercke ungeeignet/ um nicht mit der ver-
"nunfft in eigenschafft darüber zuherrschen.
"Und dann wird unsere seele ruhe in GOtt fin-
"den/ und friede mit den menschen haben/
"weil wir keine eigenschafft begehren. Dann
"aus eigenschafft kommt aller zanck und ver-
"theiltheit.

"Und ob wir wol keine eigenschafft haben/ so
"besitzen und gebrauchen wir dannoch alle din-
"ge in der völle des lebens/ so viel als das leben
"zu seinem unterhalt begehret oder ihm nützlich
"ist. Und ist reich über alle begierden und ei-
"genschafften des fleisches.

"Und wer in seiner eigenschafft will bleiben/
"der wird nimmermehr gnug haben: Und muß
"ein armer gefangener unter seinen begierden
"bleiben; Und ob er himmel und erden zu sei-
"ner eigenschafft hätte.

"25. Darum wird nun in diesem letzten
"theil der zeit die herrliche freyheit CHristi/ über
"alle schätze des eigenthums gepriesen und gelo-
"bet werden: Jch mag wol darvon zeugen/
"dann ich habe es mit that und wahrheit erfah-
"ren.

"Jch sage: Alle leben/ die in der eigenschafft
"begriffen stehen/ die leben nicht in der vollkom-
"menen ruhe des freyen Christlichen ungeeigne-
"ten lebens. Dann der tod ist unter dem eig-
"nen leben vermengt. Es sey dann das leben
"unter dem zwange des gesetzes/ oder es sey
"das leben unter der begierlichkeit des fleisches/
"so ist doch der tod herr darüber.

"Und weil das leben CHristi so herrlich in
"seiner freyheit ist/ darum ists uns so lieb und
"werth in unsern hertzen; Daß wirs über alle
"schätze dieser welt erwehlt haben. Und durch
"die liebe/ die wir darzu haben/ hat es eine
"wesentliche wohnstätte in unserer menschheit
"gemacht/ und hat sich selbsten mit unserer
"menschheit (dem inwendigsten gemüthe/
"geist oder wesen des hertzens. Acker-schatz
"1. th. cap. 32. v. 2.) zu einem wesen und gei-
"ste vereiniget. Wordurch wir mit dem ein-
"wesigen leben/ und das einwesige leben mit
"uns/ zusammen in einem wesen/ ein dienst-
"bar zeugniß vor allen liebhabern der wahrheit
"bezeugen/ und einwesig hervor bringen.
"Wormit wir allen eigensinnigen menschen zu-
"erkennen geben/ daß sie einen abstand von ih-
"ren eignen vertheilten opinionen oder mei-
"nungen sollen thun/ oder daß sie darinnen zu
"grunde gehen werden.

"Und so sie die wahrhafftige warnung/ die
"der einwesige geist nun selbst thut/ nicht
"wahrnehmen/ und die zeit ungeacht vor-
[Spaltenumbruch] bey gehen lassen; und gleichwol in ihrer ei-"Jahr
MDC.
biß
MDCC

genschafft zu bleiben vermeinen/ so ist GOtt"
und sein einwesiger geist an allem ihrem elen-"
de und verdammniß unschuldig."

26. Dann GOtt thut nun allen/ die diese"
zeugnisse/ welche sein einwesiger geist selbst"
hervorbringet/ empfangen/ gnug/ daß sie zu"
ihrer seligkeit des lebens eingehen können."
Erkennen sie es in der gegenwärtigen zeit"
nicht/ so werden sie es nachmals erkennen zu"
ihrer seligkeit oder verdammniß."

Und so viel unsern beruff von GOtt zur"
dienstbarkeit angehet/ werden wir auch ent-"
schuldigt von allen elenden und verdammnüs-"
sen/ die allen eigensinnigen opinionischen"
menschen/ die auff das werck GOttes nicht"
achten/ überm haupte hangen. Dann wir"
haben unsere zeit zur dienstbarkeit nicht ver-"
säumt/ noch in unachtsamkeit verwahrlost/"
seynd auch dem einwesigen geiste nicht wie-"
derspenstig noch ungehorsam gewesen/ als er"
uns zu seinem dienste beruffen."

Dieweil dann der dienst meiner creatur"
(als droben gemeldt) fast zum ende gekom-"
men ist/ so will ich/ (so viel meine creatürli-"
che bedienung angehet/ so wol mit schreiben"
als anderer gestalt/) denselben dienst dem"
einwesigen geiste/ von welchem ich ihn em-"
pfangen habe/ wieder übergeben. Dann er"
muß allezeit in ihme bleiben; oder solte kein"
dienst GOttes zu der menschen seligkeit"
seyn: (wie man das an allen vernünfftlichen"
diensten wol befindet:) und ich hoffe auch/"
daß GOtt/ durch seine einwesige krafft/ seelen"
und creaturen erwecken und gebären solle/ die"
an meiner statt/ die Göttliche dienstbarkeit"
wieder annehmen werden. Dann das hauß"
GOttes mag ohne diener nicht seyn."

27. Jch sage: Das wesen GOttes mag"
oder kan ohne ausflüsse nicht seyn. Dann"
die sonne kan ohne schein nicht seyn. Aber wol"
deme/ dem sie auff seinen acker scheinet: dann"
seine früchte werden gebenedeyet werden."

Und diese diener/ die das wesen GOttes/ in"
dem bildlichem menschen bedienen sollen/ kön-"
nen wir nach der creatur nicht erwehlen/ oder"
creatürlich mit dem finger zeigen/ wie die ce-"
remoni
sche diener thun. O nein. Sondern"
die diener des heiligen wesens CHristi lassen"
wir den wesentlichen geist CHristi selbst er-"
wehlen/ und in seiner arbeit treiben."

Darum lasset uns den hauß-vater bitten/"Matth. 9.
daß er arbeiter in seinen weinberg wolle sen-"
den. Dann die erndte ist groß/ und der arbei-"
ter sind wenig."

Das ist: Daß vielerley Göttliche/ einwe-"
sige/ himmlische gaben erschienen sind: Und"
daß dargegen auch mancherley vertheilte sin-"
nen und gedancken im hertzen deren mit dem"
wesen GOttes noch unvereinigten mensch-"
heit seyn: aber wenig Göttliche sinnen und"
gedancken die das einwesige leben bedienen"
zur fruchtbarkeit seines heiligen wesens. Und"
das kommt daher/ daß die vertheilte sinne"
und lüste zu des fleisches eigenthum/ die ein-"
wesigkeit GOttes nicht mögen vertragen oder"
leiden/ weil sie in ihrem wilden/ vertheilten/"
eigensinnigen wesen bleiben wollen."

28. Und so weit gehet Hiels eigene erzehlung

von

Th. III. C. III. Von dem auctore des Hertzensſpiegels
[Spaltenumbruch] Jahr
MDC.
biß
MDCC
„durch den einweſigen geiſt GOttes daſſelbe
„zeugniß bedienen: und nicht unſere eigne opi-
„nion.
Jch ſage mit der wahrheit JEſu Chri-
„ſti/ daß wir nicht dencken oder meynen/ daß
„wir durch unſere vernunfft/ einigen dienſt Got-
„tes ſolten koͤnnen bedienen. O nein. Das
„iſt unſers vermoͤgens nicht. Sondern der ein-
„weſige geiſt JEſu CHriſti bedienet ſich ſelbſt
„aus ſeinem freyen ungeeigneten weſen in den
„gehorſamen ſeelen.

„Dieſes nehme ein jeglicher leſer wol zu her-
„tzen; Und nehme ſie zur dienſtbarkeit/ um zum
„weſen GOttes zukommen/ von GOttes we-
„gen zu einem behuͤlff an: Und dancke GOtt
„fuͤr ſeine gnade. Und laſſe GOttes gnaͤdi-
„ge wercke ungeeignet/ um nicht mit der ver-
„nunfft in eigenſchafft daruͤber zuherꝛſchen.
„Und dann wird unſere ſeele ruhe in GOtt fin-
„den/ und friede mit den menſchen haben/
„weil wir keine eigenſchafft begehren. Dann
„aus eigenſchafft kommt aller zanck und ver-
„theiltheit.

„Und ob wir wol keine eigenſchafft haben/ ſo
„beſitzen und gebrauchen wir dannoch alle din-
„ge in der voͤlle des lebens/ ſo viel als das leben
„zu ſeinem unterhalt begehret oder ihm nuͤtzlich
„iſt. Und iſt reich uͤber alle begierden und ei-
„genſchafften des fleiſches.

„Und wer in ſeiner eigenſchafft will bleiben/
„der wird nimmermehr gnug haben: Und muß
„ein armer gefangener unter ſeinen begierden
„bleiben; Und ob er himmel und erden zu ſei-
„ner eigenſchafft haͤtte.

„25. Darum wird nun in dieſem letzten
„theil der zeit die herꝛliche freyheit CHriſti/ uͤber
„alle ſchaͤtze des eigenthums geprieſen und gelo-
„bet werden: Jch mag wol darvon zeugen/
„dann ich habe es mit that und wahrheit erfah-
„ren.

„Jch ſage: Alle leben/ die in der eigenſchafft
„begriffen ſtehen/ die leben nicht in der vollkom-
„menen ruhe des freyen Chriſtlichen ungeeigne-
„ten lebens. Dann der tod iſt unter dem eig-
„nen leben vermengt. Es ſey dann das leben
„unter dem zwange des geſetzes/ oder es ſey
„das leben unter der begierlichkeit des fleiſches/
„ſo iſt doch der tod herꝛ daruͤber.

„Und weil das leben CHriſti ſo herꝛlich in
„ſeiner freyheit iſt/ darum iſts uns ſo lieb und
„werth in unſern hertzen; Daß wirs uͤber alle
„ſchaͤtze dieſer welt erwehlt haben. Und durch
„die liebe/ die wir darzu haben/ hat es eine
„weſentliche wohnſtaͤtte in unſerer menſchheit
„gemacht/ und hat ſich ſelbſten mit unſerer
„menſchheit (dem inwendigſten gemuͤthe/
„geiſt oder weſen des hertzens. Acker-ſchatz
„1. th. cap. 32. v. 2.) zu einem weſen und gei-
„ſte vereiniget. Wordurch wir mit dem ein-
„weſigen leben/ und das einweſige leben mit
„uns/ zuſammen in einem weſen/ ein dienſt-
„bar zeugniß vor allen liebhabern der wahrheit
„bezeugen/ und einweſig hervor bringen.
„Wormit wir allen eigenſinnigen menſchen zu-
„erkennen geben/ daß ſie einen abſtand von ih-
„ren eignen vertheilten opinionen oder mei-
„nungen ſollen thun/ oder daß ſie darinnen zu
„grunde gehen werden.

„Und ſo ſie die wahrhafftige warnung/ die
„der einweſige geiſt nun ſelbſt thut/ nicht
„wahrnehmen/ und die zeit ungeacht vor-
[Spaltenumbruch] bey gehen laſſen; und gleichwol in ihrer ei-„Jahr
MDC.
biß
MDCC

genſchafft zu bleiben vermeinen/ ſo iſt GOtt“
und ſein einweſiger geiſt an allem ihrem elen-“
de und verdammniß unſchuldig.„

26. Dann GOtt thut nun allen/ die dieſe“
zeugniſſe/ welche ſein einweſiger geiſt ſelbſt“
hervorbringet/ empfangen/ gnug/ daß ſie zu“
ihrer ſeligkeit des lebens eingehen koͤnnen.“
Erkennen ſie es in der gegenwaͤrtigen zeit“
nicht/ ſo werden ſie es nachmals erkennen zu“
ihrer ſeligkeit oder verdam̃niß.„

Und ſo viel unſern beruff von GOtt zur“
dienſtbarkeit angehet/ werden wir auch ent-“
ſchuldigt von allen elenden und verdammnuͤſ-“
ſen/ die allen eigenſinnigen opinioniſchen“
menſchen/ die auff das werck GOttes nicht“
achten/ uͤberm haupte hangen. Dann wir“
haben unſere zeit zur dienſtbarkeit nicht ver-“
ſaͤumt/ noch in unachtſamkeit verwahrloſt/“
ſeynd auch dem einweſigen geiſte nicht wie-“
derſpenſtig noch ungehorſam geweſen/ als er“
uns zu ſeinem dienſte beruffen.„

Dieweil dann der dienſt meiner creatur“
(als droben gemeldt) faſt zum ende gekom-“
men iſt/ ſo will ich/ (ſo viel meine creatuͤrli-“
che bedienung angehet/ ſo wol mit ſchreiben“
als anderer geſtalt/) denſelben dienſt dem“
einweſigen geiſte/ von welchem ich ihn em-“
pfangen habe/ wieder uͤbergeben. Dann er“
muß allezeit in ihme bleiben; oder ſolte kein“
dienſt GOttes zu der menſchen ſeligkeit“
ſeyn: (wie man das an allen vernuͤnfftlichen“
dienſten wol befindet:) und ich hoffe auch/“
daß GOtt/ durch ſeine einweſige krafft/ ſeelen“
und creaturen erwecken und gebaͤren ſolle/ die“
an meiner ſtatt/ die Goͤttliche dienſtbarkeit“
wieder annehmen werden. Dann das hauß“
GOttes mag ohne diener nicht ſeyn.„

27. Jch ſage: Das weſen GOttes mag“
oder kan ohne ausfluͤſſe nicht ſeyn. Dann“
die ſonne kan ohne ſchein nicht ſeyn. Aber wol“
deme/ dem ſie auff ſeinen acker ſcheinet: dann“
ſeine fruͤchte werden gebenedeyet werden.„

Und dieſe diener/ die das weſen GOttes/ in“
dem bildlichem menſchen bedienen ſollen/ koͤn-“
nen wir nach der creatur nicht erwehlen/ oder“
creatuͤrlich mit dem finger zeigen/ wie die ce-“
remoni
ſche diener thun. O nein. Sondern“
die diener des heiligen weſens CHriſti laſſen“
wir den weſentlichen geiſt CHriſti ſelbſt er-“
wehlen/ und in ſeiner arbeit treiben.„

Darum laſſet uns den hauß-vater bitten/„Matth. 9.
daß er arbeiter in ſeinen weinberg wolle ſen-“
den. Dann die erndte iſt groß/ und der arbei-“
ter ſind wenig.„

Das iſt: Daß vielerley Goͤttliche/ einwe-“
ſige/ himmliſche gaben erſchienen ſind: Und“
daß dargegen auch mancherley vertheilte ſin-“
nen und gedancken im hertzen deren mit dem“
weſen GOttes noch unvereinigten menſch-“
heit ſeyn: aber wenig Goͤttliche ſinnen und“
gedancken die das einweſige leben bedienen“
zur fruchtbarkeit ſeines heiligen weſens. Und“
das kommt daher/ daß die vertheilte ſinne“
und luͤſte zu des fleiſches eigenthum/ die ein-“
weſigkeit GOttes nicht moͤgen vertragen oder“
leiden/ weil ſie in ihrem wilden/ vertheilten/“
eigenſinnigen weſen bleiben wollen.„

28. Und ſo weit gehet Hiels eigene erzehlung

von
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0040" n="28"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Th. <hi rendition="#aq">III.</hi> C. <hi rendition="#aq">III.</hi> Von dem <hi rendition="#aq">auctore</hi> des Hertzens&#x017F;piegels</hi></fw><lb/><cb/><note place="left">Jahr<lb/><hi rendition="#aq">MDC.</hi><lb/>
biß<lb/><hi rendition="#aq">MDCC</hi></note>&#x201E;durch den einwe&#x017F;igen gei&#x017F;t GOttes da&#x017F;&#x017F;elbe<lb/>
&#x201E;zeugniß bedienen: und nicht un&#x017F;ere eigne <hi rendition="#aq">opi-<lb/>
&#x201E;nion.</hi> Jch &#x017F;age mit der wahrheit JE&#x017F;u Chri-<lb/>
&#x201E;&#x017F;ti/ daß wir nicht dencken oder meynen/ daß<lb/>
&#x201E;wir durch un&#x017F;ere vernunfft/ einigen dien&#x017F;t Got-<lb/>
&#x201E;tes &#x017F;olten ko&#x0364;nnen bedienen. O nein. Das<lb/>
&#x201E;i&#x017F;t un&#x017F;ers vermo&#x0364;gens nicht. Sondern der ein-<lb/>
&#x201E;we&#x017F;ige gei&#x017F;t JE&#x017F;u CHri&#x017F;ti bedienet &#x017F;ich &#x017F;elb&#x017F;t<lb/>
&#x201E;aus &#x017F;einem freyen ungeeigneten we&#x017F;en in den<lb/>
&#x201E;gehor&#x017F;amen &#x017F;eelen.</p><lb/>
          <p>&#x201E;Die&#x017F;es nehme ein jeglicher le&#x017F;er wol zu her-<lb/>
&#x201E;tzen; Und nehme &#x017F;ie zur dien&#x017F;tbarkeit/ um zum<lb/>
&#x201E;we&#x017F;en GOttes zukommen/ von GOttes we-<lb/>
&#x201E;gen zu einem behu&#x0364;lff an: Und dancke GOtt<lb/>
&#x201E;fu&#x0364;r &#x017F;eine gnade. Und la&#x017F;&#x017F;e GOttes gna&#x0364;di-<lb/>
&#x201E;ge wercke ungeeignet/ um nicht mit der ver-<lb/>
&#x201E;nunfft in eigen&#x017F;chafft daru&#x0364;ber zuher&#xA75B;&#x017F;chen.<lb/>
&#x201E;Und dann wird un&#x017F;ere &#x017F;eele ruhe in GOtt fin-<lb/>
&#x201E;den/ und friede mit den men&#x017F;chen haben/<lb/>
&#x201E;weil wir keine eigen&#x017F;chafft begehren. Dann<lb/>
&#x201E;aus eigen&#x017F;chafft kommt aller zanck und ver-<lb/>
&#x201E;theiltheit.</p><lb/>
          <p>&#x201E;Und ob wir wol keine eigen&#x017F;chafft haben/ &#x017F;o<lb/>
&#x201E;be&#x017F;itzen und gebrauchen wir dannoch alle din-<lb/>
&#x201E;ge in der vo&#x0364;lle des lebens/ &#x017F;o viel als das leben<lb/>
&#x201E;zu &#x017F;einem unterhalt begehret oder ihm nu&#x0364;tzlich<lb/>
&#x201E;i&#x017F;t. Und i&#x017F;t reich u&#x0364;ber alle begierden und ei-<lb/>
&#x201E;gen&#x017F;chafften des flei&#x017F;ches.</p><lb/>
          <p>&#x201E;Und wer in &#x017F;einer eigen&#x017F;chafft will bleiben/<lb/>
&#x201E;der wird nimmermehr gnug haben: Und muß<lb/>
&#x201E;ein armer gefangener unter &#x017F;einen begierden<lb/>
&#x201E;bleiben; Und ob er himmel und erden zu &#x017F;ei-<lb/>
&#x201E;ner eigen&#x017F;chafft ha&#x0364;tte.</p><lb/>
          <p>&#x201E;25. Darum wird nun in die&#x017F;em letzten<lb/>
&#x201E;theil der zeit die her&#xA75B;liche freyheit CHri&#x017F;ti/ u&#x0364;ber<lb/>
&#x201E;alle &#x017F;cha&#x0364;tze des eigenthums geprie&#x017F;en und gelo-<lb/>
&#x201E;bet werden: Jch mag wol darvon zeugen/<lb/>
&#x201E;dann ich habe es mit that und wahrheit erfah-<lb/>
&#x201E;ren.</p><lb/>
          <p>&#x201E;Jch &#x017F;age: Alle leben/ die in der eigen&#x017F;chafft<lb/>
&#x201E;begriffen &#x017F;tehen/ die leben nicht in der vollkom-<lb/>
&#x201E;menen ruhe des freyen Chri&#x017F;tlichen ungeeigne-<lb/>
&#x201E;ten lebens. Dann der tod i&#x017F;t unter dem eig-<lb/>
&#x201E;nen leben vermengt. Es &#x017F;ey dann das leben<lb/>
&#x201E;unter dem zwange des ge&#x017F;etzes/ oder es &#x017F;ey<lb/>
&#x201E;das leben unter der begierlichkeit des flei&#x017F;ches/<lb/>
&#x201E;&#x017F;o i&#x017F;t doch der tod her&#xA75B; daru&#x0364;ber.</p><lb/>
          <p>&#x201E;Und weil das leben CHri&#x017F;ti &#x017F;o her&#xA75B;lich in<lb/>
&#x201E;&#x017F;einer freyheit i&#x017F;t/ darum i&#x017F;ts uns &#x017F;o lieb und<lb/>
&#x201E;werth in un&#x017F;ern hertzen; Daß wirs u&#x0364;ber alle<lb/>
&#x201E;&#x017F;cha&#x0364;tze die&#x017F;er welt erwehlt haben. Und durch<lb/>
&#x201E;die liebe/ die wir darzu haben/ hat es eine<lb/>
&#x201E;we&#x017F;entliche wohn&#x017F;ta&#x0364;tte in un&#x017F;erer men&#x017F;chheit<lb/>
&#x201E;gemacht/ und hat &#x017F;ich &#x017F;elb&#x017F;ten mit un&#x017F;erer<lb/>
&#x201E;men&#x017F;chheit (dem inwendig&#x017F;ten gemu&#x0364;the/<lb/>
&#x201E;gei&#x017F;t oder we&#x017F;en des hertzens. Acker-&#x017F;chatz<lb/>
&#x201E;1. th. cap. 32. v. 2.) zu einem we&#x017F;en und gei-<lb/>
&#x201E;&#x017F;te vereiniget. Wordurch wir mit dem ein-<lb/>
&#x201E;we&#x017F;igen leben/ und das einwe&#x017F;ige leben mit<lb/>
&#x201E;uns/ zu&#x017F;ammen in einem we&#x017F;en/ ein dien&#x017F;t-<lb/>
&#x201E;bar zeugniß vor allen liebhabern der wahrheit<lb/>
&#x201E;bezeugen/ und einwe&#x017F;ig hervor bringen.<lb/>
&#x201E;Wormit wir allen eigen&#x017F;innigen men&#x017F;chen zu-<lb/>
&#x201E;erkennen geben/ daß &#x017F;ie einen ab&#x017F;tand von ih-<lb/>
&#x201E;ren eignen vertheilten <hi rendition="#aq">opinion</hi>en oder mei-<lb/>
&#x201E;nungen &#x017F;ollen thun/ oder daß &#x017F;ie darinnen zu<lb/>
&#x201E;grunde gehen werden.</p><lb/>
          <p>&#x201E;Und &#x017F;o &#x017F;ie die wahrhafftige warnung/ die<lb/>
&#x201E;der einwe&#x017F;ige gei&#x017F;t nun &#x017F;elb&#x017F;t thut/ nicht<lb/>
&#x201E;wahrnehmen/ und die zeit ungeacht vor-<lb/><cb/>
bey gehen la&#x017F;&#x017F;en; und gleichwol in ihrer ei-&#x201E;<note place="right">Jahr<lb/><hi rendition="#aq">MDC.</hi><lb/>
biß<lb/><hi rendition="#aq">MDCC</hi></note><lb/>
gen&#x017F;chafft zu bleiben vermeinen/ &#x017F;o i&#x017F;t GOtt&#x201C;<lb/>
und &#x017F;ein einwe&#x017F;iger gei&#x017F;t an allem ihrem elen-&#x201C;<lb/>
de und verdammniß un&#x017F;chuldig.&#x201E;</p><lb/>
          <p>26. Dann GOtt thut nun allen/ die die&#x017F;e&#x201C;<lb/>
zeugni&#x017F;&#x017F;e/ welche &#x017F;ein einwe&#x017F;iger gei&#x017F;t &#x017F;elb&#x017F;t&#x201C;<lb/>
hervorbringet/ empfangen/ gnug/ daß &#x017F;ie zu&#x201C;<lb/>
ihrer &#x017F;eligkeit des lebens eingehen ko&#x0364;nnen.&#x201C;<lb/>
Erkennen &#x017F;ie es in der gegenwa&#x0364;rtigen zeit&#x201C;<lb/>
nicht/ &#x017F;o werden &#x017F;ie es nachmals erkennen zu&#x201C;<lb/>
ihrer &#x017F;eligkeit oder verdam&#x0303;niß.&#x201E;</p><lb/>
          <p>Und &#x017F;o viel un&#x017F;ern beruff von GOtt zur&#x201C;<lb/>
dien&#x017F;tbarkeit angehet/ werden wir auch ent-&#x201C;<lb/>
&#x017F;chuldigt von allen elenden und verdammnu&#x0364;&#x017F;-&#x201C;<lb/>
&#x017F;en/ die allen eigen&#x017F;innigen <hi rendition="#aq">opinioni</hi>&#x017F;chen&#x201C;<lb/>
men&#x017F;chen/ die auff das werck GOttes nicht&#x201C;<lb/>
achten/ u&#x0364;berm haupte hangen. Dann wir&#x201C;<lb/>
haben un&#x017F;ere zeit zur dien&#x017F;tbarkeit nicht ver-&#x201C;<lb/>
&#x017F;a&#x0364;umt/ noch in unacht&#x017F;amkeit verwahrlo&#x017F;t/&#x201C;<lb/>
&#x017F;eynd auch dem einwe&#x017F;igen gei&#x017F;te nicht wie-&#x201C;<lb/>
der&#x017F;pen&#x017F;tig noch ungehor&#x017F;am gewe&#x017F;en/ als er&#x201C;<lb/>
uns zu &#x017F;einem dien&#x017F;te beruffen.&#x201E;</p><lb/>
          <p>Dieweil dann der dien&#x017F;t meiner creatur&#x201C;<lb/>
(als droben gemeldt) fa&#x017F;t zum ende gekom-&#x201C;<lb/>
men i&#x017F;t/ &#x017F;o will ich/ (&#x017F;o viel meine creatu&#x0364;rli-&#x201C;<lb/>
che bedienung angehet/ &#x017F;o wol mit &#x017F;chreiben&#x201C;<lb/>
als anderer ge&#x017F;talt/) den&#x017F;elben dien&#x017F;t dem&#x201C;<lb/>
einwe&#x017F;igen gei&#x017F;te/ von welchem ich ihn em-&#x201C;<lb/>
pfangen habe/ wieder u&#x0364;bergeben. Dann er&#x201C;<lb/>
muß allezeit in ihme bleiben; oder &#x017F;olte kein&#x201C;<lb/>
dien&#x017F;t GOttes zu der men&#x017F;chen &#x017F;eligkeit&#x201C;<lb/>
&#x017F;eyn: (wie man das an allen vernu&#x0364;nfftlichen&#x201C;<lb/>
dien&#x017F;ten wol befindet:) und ich hoffe auch/&#x201C;<lb/>
daß GOtt/ durch &#x017F;eine einwe&#x017F;ige krafft/ &#x017F;eelen&#x201C;<lb/>
und creaturen erwecken und geba&#x0364;ren &#x017F;olle/ die&#x201C;<lb/>
an meiner &#x017F;tatt/ die Go&#x0364;ttliche dien&#x017F;tbarkeit&#x201C;<lb/>
wieder annehmen werden. Dann das hauß&#x201C;<lb/>
GOttes mag ohne diener nicht &#x017F;eyn.&#x201E;</p><lb/>
          <p>27. Jch &#x017F;age: Das we&#x017F;en GOttes mag&#x201C;<lb/>
oder kan ohne ausflu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e nicht &#x017F;eyn. Dann&#x201C;<lb/>
die &#x017F;onne kan ohne &#x017F;chein nicht &#x017F;eyn. Aber wol&#x201C;<lb/>
deme/ dem &#x017F;ie auff &#x017F;einen acker &#x017F;cheinet: dann&#x201C;<lb/>
&#x017F;eine fru&#x0364;chte werden gebenedeyet werden.&#x201E;</p><lb/>
          <p>Und die&#x017F;e diener/ die das we&#x017F;en GOttes/ in&#x201C;<lb/>
dem bildlichem men&#x017F;chen bedienen &#x017F;ollen/ ko&#x0364;n-&#x201C;<lb/>
nen wir nach der creatur nicht erwehlen/ oder&#x201C;<lb/>
creatu&#x0364;rlich mit dem finger zeigen/ wie die <hi rendition="#aq">ce-&#x201C;<lb/>
remoni</hi>&#x017F;che diener thun. O nein. Sondern&#x201C;<lb/>
die diener des heiligen we&#x017F;ens CHri&#x017F;ti la&#x017F;&#x017F;en&#x201C;<lb/>
wir den we&#x017F;entlichen gei&#x017F;t CHri&#x017F;ti &#x017F;elb&#x017F;t er-&#x201C;<lb/>
wehlen/ und in &#x017F;einer arbeit treiben.&#x201E;</p><lb/>
          <p>Darum la&#x017F;&#x017F;et uns den hauß-vater bitten/&#x201E;<note place="right">Matth. 9.</note><lb/>
daß er arbeiter in &#x017F;einen weinberg wolle &#x017F;en-&#x201C;<lb/>
den. Dann die erndte i&#x017F;t groß/ und der arbei-&#x201C;<lb/>
ter &#x017F;ind wenig.&#x201E;</p><lb/>
          <p>Das i&#x017F;t: Daß vielerley Go&#x0364;ttliche/ einwe-&#x201C;<lb/>
&#x017F;ige/ himmli&#x017F;che gaben er&#x017F;chienen &#x017F;ind: Und&#x201C;<lb/>
daß dargegen auch mancherley vertheilte &#x017F;in-&#x201C;<lb/>
nen und gedancken im hertzen deren mit dem&#x201C;<lb/>
we&#x017F;en GOttes noch unvereinigten men&#x017F;ch-&#x201C;<lb/>
heit &#x017F;eyn: aber wenig Go&#x0364;ttliche &#x017F;innen und&#x201C;<lb/>
gedancken die das einwe&#x017F;ige leben bedienen&#x201C;<lb/>
zur fruchtbarkeit &#x017F;eines heiligen we&#x017F;ens. Und&#x201C;<lb/>
das kommt daher/ daß die vertheilte &#x017F;inne&#x201C;<lb/>
und lu&#x0364;&#x017F;te zu des flei&#x017F;ches eigenthum/ die ein-&#x201C;<lb/>
we&#x017F;igkeit GOttes nicht mo&#x0364;gen vertragen oder&#x201C;<lb/>
leiden/ weil &#x017F;ie in ihrem wilden/ vertheilten/&#x201C;<lb/>
eigen&#x017F;innigen we&#x017F;en bleiben wollen.&#x201E;</p><lb/>
          <p>28. Und &#x017F;o weit gehet <hi rendition="#aq">Hiels</hi> eigene erzehlung<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">von</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[28/0040] Th. III. C. III. Von dem auctore des Hertzensſpiegels „durch den einweſigen geiſt GOttes daſſelbe „zeugniß bedienen: und nicht unſere eigne opi- „nion. Jch ſage mit der wahrheit JEſu Chri- „ſti/ daß wir nicht dencken oder meynen/ daß „wir durch unſere vernunfft/ einigen dienſt Got- „tes ſolten koͤnnen bedienen. O nein. Das „iſt unſers vermoͤgens nicht. Sondern der ein- „weſige geiſt JEſu CHriſti bedienet ſich ſelbſt „aus ſeinem freyen ungeeigneten weſen in den „gehorſamen ſeelen. Jahr MDC. biß MDCC „Dieſes nehme ein jeglicher leſer wol zu her- „tzen; Und nehme ſie zur dienſtbarkeit/ um zum „weſen GOttes zukommen/ von GOttes we- „gen zu einem behuͤlff an: Und dancke GOtt „fuͤr ſeine gnade. Und laſſe GOttes gnaͤdi- „ge wercke ungeeignet/ um nicht mit der ver- „nunfft in eigenſchafft daruͤber zuherꝛſchen. „Und dann wird unſere ſeele ruhe in GOtt fin- „den/ und friede mit den menſchen haben/ „weil wir keine eigenſchafft begehren. Dann „aus eigenſchafft kommt aller zanck und ver- „theiltheit. „Und ob wir wol keine eigenſchafft haben/ ſo „beſitzen und gebrauchen wir dannoch alle din- „ge in der voͤlle des lebens/ ſo viel als das leben „zu ſeinem unterhalt begehret oder ihm nuͤtzlich „iſt. Und iſt reich uͤber alle begierden und ei- „genſchafften des fleiſches. „Und wer in ſeiner eigenſchafft will bleiben/ „der wird nimmermehr gnug haben: Und muß „ein armer gefangener unter ſeinen begierden „bleiben; Und ob er himmel und erden zu ſei- „ner eigenſchafft haͤtte. „25. Darum wird nun in dieſem letzten „theil der zeit die herꝛliche freyheit CHriſti/ uͤber „alle ſchaͤtze des eigenthums geprieſen und gelo- „bet werden: Jch mag wol darvon zeugen/ „dann ich habe es mit that und wahrheit erfah- „ren. „Jch ſage: Alle leben/ die in der eigenſchafft „begriffen ſtehen/ die leben nicht in der vollkom- „menen ruhe des freyen Chriſtlichen ungeeigne- „ten lebens. Dann der tod iſt unter dem eig- „nen leben vermengt. Es ſey dann das leben „unter dem zwange des geſetzes/ oder es ſey „das leben unter der begierlichkeit des fleiſches/ „ſo iſt doch der tod herꝛ daruͤber. „Und weil das leben CHriſti ſo herꝛlich in „ſeiner freyheit iſt/ darum iſts uns ſo lieb und „werth in unſern hertzen; Daß wirs uͤber alle „ſchaͤtze dieſer welt erwehlt haben. Und durch „die liebe/ die wir darzu haben/ hat es eine „weſentliche wohnſtaͤtte in unſerer menſchheit „gemacht/ und hat ſich ſelbſten mit unſerer „menſchheit (dem inwendigſten gemuͤthe/ „geiſt oder weſen des hertzens. Acker-ſchatz „1. th. cap. 32. v. 2.) zu einem weſen und gei- „ſte vereiniget. Wordurch wir mit dem ein- „weſigen leben/ und das einweſige leben mit „uns/ zuſammen in einem weſen/ ein dienſt- „bar zeugniß vor allen liebhabern der wahrheit „bezeugen/ und einweſig hervor bringen. „Wormit wir allen eigenſinnigen menſchen zu- „erkennen geben/ daß ſie einen abſtand von ih- „ren eignen vertheilten opinionen oder mei- „nungen ſollen thun/ oder daß ſie darinnen zu „grunde gehen werden. „Und ſo ſie die wahrhafftige warnung/ die „der einweſige geiſt nun ſelbſt thut/ nicht „wahrnehmen/ und die zeit ungeacht vor- bey gehen laſſen; und gleichwol in ihrer ei-„ genſchafft zu bleiben vermeinen/ ſo iſt GOtt“ und ſein einweſiger geiſt an allem ihrem elen-“ de und verdammniß unſchuldig.„ Jahr MDC. biß MDCC 26. Dann GOtt thut nun allen/ die dieſe“ zeugniſſe/ welche ſein einweſiger geiſt ſelbſt“ hervorbringet/ empfangen/ gnug/ daß ſie zu“ ihrer ſeligkeit des lebens eingehen koͤnnen.“ Erkennen ſie es in der gegenwaͤrtigen zeit“ nicht/ ſo werden ſie es nachmals erkennen zu“ ihrer ſeligkeit oder verdam̃niß.„ Und ſo viel unſern beruff von GOtt zur“ dienſtbarkeit angehet/ werden wir auch ent-“ ſchuldigt von allen elenden und verdammnuͤſ-“ ſen/ die allen eigenſinnigen opinioniſchen“ menſchen/ die auff das werck GOttes nicht“ achten/ uͤberm haupte hangen. Dann wir“ haben unſere zeit zur dienſtbarkeit nicht ver-“ ſaͤumt/ noch in unachtſamkeit verwahrloſt/“ ſeynd auch dem einweſigen geiſte nicht wie-“ derſpenſtig noch ungehorſam geweſen/ als er“ uns zu ſeinem dienſte beruffen.„ Dieweil dann der dienſt meiner creatur“ (als droben gemeldt) faſt zum ende gekom-“ men iſt/ ſo will ich/ (ſo viel meine creatuͤrli-“ che bedienung angehet/ ſo wol mit ſchreiben“ als anderer geſtalt/) denſelben dienſt dem“ einweſigen geiſte/ von welchem ich ihn em-“ pfangen habe/ wieder uͤbergeben. Dann er“ muß allezeit in ihme bleiben; oder ſolte kein“ dienſt GOttes zu der menſchen ſeligkeit“ ſeyn: (wie man das an allen vernuͤnfftlichen“ dienſten wol befindet:) und ich hoffe auch/“ daß GOtt/ durch ſeine einweſige krafft/ ſeelen“ und creaturen erwecken und gebaͤren ſolle/ die“ an meiner ſtatt/ die Goͤttliche dienſtbarkeit“ wieder annehmen werden. Dann das hauß“ GOttes mag ohne diener nicht ſeyn.„ 27. Jch ſage: Das weſen GOttes mag“ oder kan ohne ausfluͤſſe nicht ſeyn. Dann“ die ſonne kan ohne ſchein nicht ſeyn. Aber wol“ deme/ dem ſie auff ſeinen acker ſcheinet: dann“ ſeine fruͤchte werden gebenedeyet werden.„ Und dieſe diener/ die das weſen GOttes/ in“ dem bildlichem menſchen bedienen ſollen/ koͤn-“ nen wir nach der creatur nicht erwehlen/ oder“ creatuͤrlich mit dem finger zeigen/ wie die ce-“ remoniſche diener thun. O nein. Sondern“ die diener des heiligen weſens CHriſti laſſen“ wir den weſentlichen geiſt CHriſti ſelbſt er-“ wehlen/ und in ſeiner arbeit treiben.„ Darum laſſet uns den hauß-vater bitten/„ daß er arbeiter in ſeinen weinberg wolle ſen-“ den. Dann die erndte iſt groß/ und der arbei-“ ter ſind wenig.„ Matth. 9. Das iſt: Daß vielerley Goͤttliche/ einwe-“ ſige/ himmliſche gaben erſchienen ſind: Und“ daß dargegen auch mancherley vertheilte ſin-“ nen und gedancken im hertzen deren mit dem“ weſen GOttes noch unvereinigten menſch-“ heit ſeyn: aber wenig Goͤttliche ſinnen und“ gedancken die das einweſige leben bedienen“ zur fruchtbarkeit ſeines heiligen weſens. Und“ das kommt daher/ daß die vertheilte ſinne“ und luͤſte zu des fleiſches eigenthum/ die ein-“ weſigkeit GOttes nicht moͤgen vertragen oder“ leiden/ weil ſie in ihrem wilden/ vertheilten/“ eigenſinnigen weſen bleiben wollen.„ 28. Und ſo weit gehet Hiels eigene erzehlung von

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/arnold_ketzerhistorie02_1700
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/arnold_ketzerhistorie02_1700/40
Zitationshilfe: Arnold, Gottfried: Unpartheyische Kirchen- und Ketzer-Historie. Bd. 2 (T. 3/4). Frankfurt (Main), 1700, S. 28. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/arnold_ketzerhistorie02_1700/40>, abgerufen am 20.09.2020.