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Schlegel, Christoph: Glückseliger Reichthumb. Leutschau, 1647.

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re andacht in ordentlicher erklärung des verlesenen Textes zu
richten haben. Gott lasse solch unser vorhaben Jhme zu lobe/
dem selig Verstorbenen zu gebührendem Ehren-gedächtnis/ der
leid-tragenden Freundschafft zu ersprießlichem Troste/ auch uns
selbst zu erbawlichem nutze wohl gelingen/ durch Jesum Christum
in Krafft des H. Geistes/ Amen.

Erklärung.

DAs Salomo/ der allerweiseste König in Jsrael/ die lehrt
gegeben: Laß dich einen andern loben/ und nicht dei-
nen Mund/ Einen frembden/ und nicht deine eigene Lippen/

Sprüchw:
27. v. 2.
Sprüchwt am 27. ist recht und wol geredet wieder die Ehrgei-
tzigen/ welche nicht erwarten können/ biß sie von andern gerüh-
met werden/ sondern aus hochmuth viel von sich selbst halten/
und sich rühmen/ in meinung grosse ehre und anschen bey den
Leuten dadurch zu erlangen. Doch mögen auch unterschiedliche
fälle seyn/ da einer ohne Sünde das jenige sagen und vorbringen
mag/ was an jhme löblich/ und was er rühmliches gethan habe.
Nemlich wenn er solches nicht thut aus Ehrgeitz/ sondern sich ge-
gen falsche beschuldigung und verleumbdung zu vortheidigen;
eine wohlgethane sache zuver antworten; Aus der noth und trüb-
sal/ darein man gerathen ist/ sich zu retten, Gottes ehre/ und
4. B. Mos.
16. v. 15:
den nutz derer/ die solches lob hören/ zu befördern: Wie auff sol-
che weise Moses/ Samuel David/ Nehemias/ Paulus und an-
5. B. Mos.
30. v. 15.
dere Heiligen Gottes von sich selbst und von jhren Thaten ruhm-
lich geredet haben. Vnter solche ist auch zu rechnen der Mann
1. Sam: 12
verß. 3.
Gottes Job/ welcher auch hier von seinem wohlverhalten und
Psalm 101
Nehem: 13
sonderbahrem Glücke rühmet/ Aber nicht aus hochmuth oder
leichtsinnigkeit/ sondern aus noth/ weil seine Freunde nicht ver-
2. Cor. 11.
v. 16. folg:
c. 12. v. 1-7.
stunden die lehre vom Creutz und Trübsal der Frommen/ jhnen
einbildeten/ das erduldung grosses elendes nichts anders/ als eine

straffe

re andacht in ordentlicher erklaͤrung des verleſenen Textes zu
richten haben. Gott laſſe ſolch unſer vorhaben Jhme zu lobe/
dem ſelig Verſtorbenen zu gebuͤhrendem Ehren-gedaͤchtnis/ der
leid-tragenden Freundſchafft zu erſprießlichem Troſte/ auch uns
ſelbſt zu erbawlichem nutze wohl gelingen/ durch Jeſum Chriſtum
in Krafft des H. Geiſtes/ Amen.

Erklaͤrung.

DAs Salomo/ der allerweiſeſte Koͤnig in Jſrael/ die lehrt
gegeben: Laß dich einen andern loben/ und nicht dei-
nen Mund/ Einen frembden/ und nicht deine eigene Lippen/

Spruͤchw:
27. v. 2.
Spruͤchwt am 27. iſt recht und wol geredet wieder die Ehrgei-
tzigen/ welche nicht erwarten koͤnnen/ biß ſie von andern geruͤh-
met werden/ ſondern aus hochmuth viel von ſich ſelbſt halten/
und ſich ruͤhmen/ in meinung groſſe ehre und anſchen bey den
Leuten dadurch zu erlangen. Doch moͤgen auch unterſchiedliche
faͤlle ſeyn/ da einer ohne Suͤnde das jenige ſagen und vorbringen
mag/ was an jhme loͤblich/ und was er ruͤhmliches gethan habe.
Nemlich wenn er ſolches nicht thut aus Ehrgeitz/ ſondern ſich ge-
gen falſche beſchuldigung und verleumbdung zu vortheidigen;
eine wohlgethane ſache zuver antworten; Aus der noth und truͤb-
ſal/ darein man gerathen iſt/ ſich zu retten, Gottes ehre/ und
4. B. Moſ.
16. v. 15:
den nutz derer/ die ſolches lob hoͤren/ zu befoͤrdern: Wie auff ſol-
che weiſe Moſes/ Samuel David/ Nehemias/ Paulus und an-
5. B. Moſ.
30. v. 15.
dere Heiligen Gottes von ſich ſelbſt und von jhren Thaten růhm-
lich geredet haben. Vnter ſolche iſt auch zu rechnen der Mann
1. Sam: 12
verß. 3.
Gottes Job/ welcher auch hier von ſeinem wohlverhalten und
Pſalm 101
Nehem: 13
ſonderbahrem Gluͤcke ruͤhmet/ Aber nicht aus hochmuth oder
leichtſinnigkeit/ ſondern aus noth/ weil ſeine Freunde nicht ver-
2. Cor. 11.
v. 16. folg:
c. 12. v. 1-7.
ſtunden die lehre vom Creutz und Truͤbſal der Frommen/ jhnen
einbildeten/ das erduldung groſſes elendes nichts anders/ als eine

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[[16]/0016] re andacht in ordentlicher erklaͤrung des verleſenen Textes zu richten haben. Gott laſſe ſolch unſer vorhaben Jhme zu lobe/ dem ſelig Verſtorbenen zu gebuͤhrendem Ehren-gedaͤchtnis/ der leid-tragenden Freundſchafft zu erſprießlichem Troſte/ auch uns ſelbſt zu erbawlichem nutze wohl gelingen/ durch Jeſum Chriſtum in Krafft des H. Geiſtes/ Amen. Erklaͤrung. DAs Salomo/ der allerweiſeſte Koͤnig in Jſrael/ die lehrt gegeben: Laß dich einen andern loben/ und nicht dei- nen Mund/ Einen frembden/ und nicht deine eigene Lippen/ Spruͤchwt am 27. iſt recht und wol geredet wieder die Ehrgei- tzigen/ welche nicht erwarten koͤnnen/ biß ſie von andern geruͤh- met werden/ ſondern aus hochmuth viel von ſich ſelbſt halten/ und ſich ruͤhmen/ in meinung groſſe ehre und anſchen bey den Leuten dadurch zu erlangen. Doch moͤgen auch unterſchiedliche faͤlle ſeyn/ da einer ohne Suͤnde das jenige ſagen und vorbringen mag/ was an jhme loͤblich/ und was er ruͤhmliches gethan habe. Nemlich wenn er ſolches nicht thut aus Ehrgeitz/ ſondern ſich ge- gen falſche beſchuldigung und verleumbdung zu vortheidigen; eine wohlgethane ſache zuver antworten; Aus der noth und truͤb- ſal/ darein man gerathen iſt/ ſich zu retten, Gottes ehre/ und den nutz derer/ die ſolches lob hoͤren/ zu befoͤrdern: Wie auff ſol- che weiſe Moſes/ Samuel David/ Nehemias/ Paulus und an- dere Heiligen Gottes von ſich ſelbſt und von jhren Thaten růhm- lich geredet haben. Vnter ſolche iſt auch zu rechnen der Mann Gottes Job/ welcher auch hier von ſeinem wohlverhalten und ſonderbahrem Gluͤcke ruͤhmet/ Aber nicht aus hochmuth oder leichtſinnigkeit/ ſondern aus noth/ weil ſeine Freunde nicht ver- ſtunden die lehre vom Creutz und Truͤbſal der Frommen/ jhnen einbildeten/ das erduldung groſſes elendes nichts anders/ als eine ſtraffe Spruͤchw: 27. v. 2. 4. B. Moſ. 16. v. 15: 5. B. Moſ. 30. v. 15. 1. Sam: 12 verß. 3. Pſalm 101 Nehem: 13 2. Cor. 11. v. 16. folg: c. 12. v. 1-7.

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Zitationshilfe: Schlegel, Christoph: Glückseliger Reichthumb. Leutschau, 1647, S. [16]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/537788/16>, abgerufen am 10.07.2020.