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Westerfeld, Johann Marcellus: Christliche Leichpredigt. Straßburg, 1613.

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Ex animis totidem credentum vota profecta,
Crede, apud aethereum sunt valitura patrem.
Queis adiungo preces natorum & coniugis omnes
Hi tibi pro luctu laeta precantur: Amen.
In pratis haec sunt effusa sub arbore celsa:
Furcilla interdum, non calamo usus ego.
Et nisi venisset coelo ingens agmen aquarum,
Scripsissem longe his egregiora metra.
Qualiacun tamen sunt, patrone accipe amande,
Parua nec ingenij munera sperne mei.
Ex Oestringeri celebrati limine prodit
Carmen: id arridens te juvet id legas.
Exarabat tumultuarie VVigandus Dauchstein Ket-
ternespachensis, Pastor in Imbsheim emeritus.
Ein anders ejusdem Authoris.
Daß verstorbene Töchterlein redet selbst
auff folgende weiß.
JA freylich ist eine lange zeit
Bey mir gewesen kleine Frewd.
Dann wo ich gsessen oder gangn/
Waren voll wassers meine Wangn.
Daher mein guldnes Müterlein
Begert von mir zu wissen fein/
Warumb ich weinte also sehr/
Vnd dasselb je lenger je mehr.
Dann sie sprach: waß ist dir geschehn
Du Närlein? ich habs langst gesehn/
Wie das nit recht dir ist zu sinn/
Du bist nit frölich/ wie vorhin.
Jch schwiege still vnd thet gleichsam/
Als gieng mich diese red nichts an.
Vrsach: wann ichs hett jhr erzehlt/
O mein Gott/ wie hett sie sich quelt.
Dann ich war ein liebs Töchterlein/
Vnd hatte nur ein Brüderlein/
Nun
Ex animis totidem credentum vota profecta,
Crede, apud æthereum ſunt valitura patrem.
Quîs adiungo preces natorum & coniugis omnes
Hi tibi pro luctu læta precantur: Amen.
In pratis hæc ſunt effuſa ſub arbore celſa:
Furcilla interdum, non calamo uſus ego.
Et niſi veniſſet cœlo ingens agmen aquarum,
Scripſiſſem longè his egregiora metra.
Qualiacunꝙ tamen ſunt, patrone accipe amande,
Paruà nec ingenij munera ſperne mei.
Ex Oeſtringeri celebrati limine prodit
Carmen: id arridens te juvet idꝙ́ legas.
Exarabat tumultuariè VVigandus Dauchſtein Ket-
terneſpachenſis, Paſtor in Imbsheim emeritus.
Ein anders ejuſdem Authoris.
Daß verſtorbene Toͤchterlein redet ſelbſt
auff folgende weiß.
JA freylich iſt eine lange zeit
Bey mir geweſen kleine Frewd.
Dann wo ich gſeſſen oder gangn/
Waren voll waſſers meine Wangn.
Daher mein guldnes Muͤterlein
Begert von mir zu wiſſen fein/
Warumb ich weinte alſo ſehr/
Vnd daſſelb je lenger je mehr.
Dann ſie ſprach: waß iſt dir geſchehn
Du Naͤrlein? ich habs langſt geſehn/
Wie das nit recht dir iſt zu ſinn/
Du biſt nit froͤlich/ wie vorhin.
Jch ſchwiege ſtill vnd thet gleichſam/
Als gieng mich dieſe red nichts an.
Vrſach: wann ichs hett jhr erzehlt/
O mein Gott/ wie hett ſie ſich quelt.
Dann ich war ein liebs Toͤchterlein/
Vnd hatte nur ein Bruͤderlein/
Nun
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Zitationshilfe: Westerfeld, Johann Marcellus: Christliche Leichpredigt. Straßburg, 1613, S. [31]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/526022/31>, abgerufen am 10.07.2020.