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Langen, Samuel: Die Selige Glaubitzin. Schlichtingsheim, 1693.

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Leichen-Predigt.
der er war/ halten können. Gen. XXVII. v. 22. Soll nun
Pauli Erkäntnüs künfftig völlig seyn/ wird er nicht allein/
mit dem Gemüthe/ sondern auch Gesichte/ erkennen müs-
sen/ das/ was er hienieden nicht anders/ als Stück-Weise/
erkennen kan/ und GOTT selber ist. Und das umb so
viel mehr/ als nachdencklicher gesagt wird: Gleichwie ich
erkennet bin; Nicht/ von GOtt: Dann derselbe wird/
mit seiner würcklichen Erkäntnüs/ wol den Fürzug/ in al-
le Ewigkeit/ behalten/ und Jhme darin weder Paulus/
noch ein ander Heiliger/ gleich kommen; Darumb/ von
Menschen/ zumahle vertrauten/ oder doch denen/ die die-
sen grossen Apostel nicht nur/ nach seiner Schreibe-Art/ son-
dern/ auch Person und Sprache/ sattsam kannten. II. Cor.
X. v.
10. Die aber erkenneten ihn nicht allein/ mit den Ge-
müths-sondern auch Leibes-Augen/ und sahen/ daß die
Gegenwärtigkeit des Leibes schwach war. Und so/ sagt Er/
werde auch Er erkennen. Denn werde ich erkennen/
gleichwie ich erkennet bin. Werden also Pauli und aller
Außerwehlten Leibes-Augen hoffentlich/ über den gegen-
wärtigen Stand/ erhoben/ und/ in einen solchen/ gesetzet
werden/ daß sie nicht allein ihre gemeine objecta, Liecht
und Farbe/ sampt denen hiemit versehenen Cörpern/ son-
dern auch die selbsten Geister/ werden sehen können. Jst
deshalb insonderheit zu glauben/ weil abermahls der Hey-
den-Lehrer setzet: Es wird gesäet ein natürlicher Leib/ und
wird aufferstehen ein geistlicher Leib. I. Cor. XV, 44. Der
H. Augustinus hat vorlängst angemercket/ daß diese Geist-
ligkeit/ nicht/ in dem Wesen selbst/ sondern/ besonderer
Eintracht des Geistes und Leibes/ stehen werde. (Resurgent

igitur

Leichen-Predigt.
der er war/ halten koͤnnen. Gen. XXVII. v. 22. Soll nun
Pauli Erkaͤntnuͤs kuͤnfftig voͤllig ſeyn/ wird er nicht allein/
mit dem Gemuͤthe/ ſondern auch Geſichte/ erkennen muͤſ-
ſen/ das/ was er hienieden nicht anders/ als Stuͤck-Weiſe/
erkennen kan/ und GOTT ſelber iſt. Und das umb ſo
viel mehr/ als nachdencklicher geſagt wird: Gleichwie ich
erkennet bin; Nicht/ von GOtt: Dann derſelbe wird/
mit ſeiner wuͤrcklichen Erkaͤntnuͤs/ wol den Fuͤrzug/ in al-
le Ewigkeit/ behalten/ und Jhme darin weder Paulus/
noch ein ander Heiliger/ gleich kommen; Darumb/ von
Menſchen/ zumahle vertrauten/ oder doch denen/ die die-
ſen groſſen Apoſtel nicht nur/ nach ſeineꝛ Schreibe-Art/ ſon-
dern/ auch Perſon und Sprache/ ſattſam kañten. II. Cor.
X. v.
10. Die aber erkenneten ihn nicht allein/ mit den Ge-
muͤths-ſondern auch Leibes-Augen/ und ſahen/ daß die
Gegenwaͤrtigkeit des Leibes ſchwach war. Und ſo/ ſagt Er/
werde auch Er erkennen. Denn werde ich erkennen/
gleichwie ich erkennet bin. Werden alſo Pauli und aller
Außerwehlten Leibes-Augen hoffentlich/ uͤber den gegen-
waͤrtigen Stand/ erhoben/ und/ in einen ſolchen/ geſetzet
werden/ daß ſie nicht allein ihre gemeine objecta, Liecht
und Farbe/ ſampt denen hiemit verſehenen Coͤrpern/ ſon-
dern auch die ſelbſten Geiſter/ werden ſehen koͤnnen. Jſt
deshalb inſonderheit zu glauben/ weil abermahls der Hey-
den-Lehrer ſetzet: Es wird geſaͤet ein natuͤrlicher Leib/ und
wird aufferſtehen ein geiſtlicher Leib. I. Cor. XV, 44. Der
H. Auguſtinus hat vorlaͤngſt angemercket/ daß dieſe Geiſt-
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Eintracht des Geiſtes und Leibes/ ſtehen werde. (Reſurgent

igitur
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[47/0047] Leichen-Predigt. der er war/ halten koͤnnen. Gen. XXVII. v. 22. Soll nun Pauli Erkaͤntnuͤs kuͤnfftig voͤllig ſeyn/ wird er nicht allein/ mit dem Gemuͤthe/ ſondern auch Geſichte/ erkennen muͤſ- ſen/ das/ was er hienieden nicht anders/ als Stuͤck-Weiſe/ erkennen kan/ und GOTT ſelber iſt. Und das umb ſo viel mehr/ als nachdencklicher geſagt wird: Gleichwie ich erkennet bin; Nicht/ von GOtt: Dann derſelbe wird/ mit ſeiner wuͤrcklichen Erkaͤntnuͤs/ wol den Fuͤrzug/ in al- le Ewigkeit/ behalten/ und Jhme darin weder Paulus/ noch ein ander Heiliger/ gleich kommen; Darumb/ von Menſchen/ zumahle vertrauten/ oder doch denen/ die die- ſen groſſen Apoſtel nicht nur/ nach ſeineꝛ Schreibe-Art/ ſon- dern/ auch Perſon und Sprache/ ſattſam kañten. II. Cor. X. v. 10. Die aber erkenneten ihn nicht allein/ mit den Ge- muͤths-ſondern auch Leibes-Augen/ und ſahen/ daß die Gegenwaͤrtigkeit des Leibes ſchwach war. Und ſo/ ſagt Er/ werde auch Er erkennen. Denn werde ich erkennen/ gleichwie ich erkennet bin. Werden alſo Pauli und aller Außerwehlten Leibes-Augen hoffentlich/ uͤber den gegen- waͤrtigen Stand/ erhoben/ und/ in einen ſolchen/ geſetzet werden/ daß ſie nicht allein ihre gemeine objecta, Liecht und Farbe/ ſampt denen hiemit verſehenen Coͤrpern/ ſon- dern auch die ſelbſten Geiſter/ werden ſehen koͤnnen. Jſt deshalb inſonderheit zu glauben/ weil abermahls der Hey- den-Lehrer ſetzet: Es wird geſaͤet ein natuͤrlicher Leib/ und wird aufferſtehen ein geiſtlicher Leib. I. Cor. XV, 44. Der H. Auguſtinus hat vorlaͤngſt angemercket/ daß dieſe Geiſt- ligkeit/ nicht/ in dem Weſen ſelbſt/ ſondern/ beſonderer Eintracht des Geiſtes und Leibes/ ſtehen werde. (Reſurgent igitur

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Zitationshilfe: Langen, Samuel: Die Selige Glaubitzin. Schlichtingsheim, 1693, S. 47. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/359520/47>, abgerufen am 30.09.2020.