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Langen, Samuel: Die Selige Glaubitzin. Schlichtingsheim, 1693.

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Christliche
das? Mit seinen Augen: Meine Augen werden Jhn
schauen. Nicht des Gemüths/ oder Glaubens; Denn
die sahen Jhn schon. Darumb des Leibes; Als auch
der Context mitbringet/ welcher Haut/ Fleisch und Au-
gen/ zusammen setzet/ und so/ dem Ansehen nach/ ei-
gentlich die jenigen verstehet/ welche/ in der Haut/ und
dem Fleische/ sind/ darzu gehören/ und/ sambt diesen/ sol-
ten wieder gegeben werden. Die sollen GOTT schauen/
und so nicht allein den Theanthropon, oder den GOTT/
welcher Mensch/ und/ im Fleisch/ geoffenbaret worden/ als
damahls noch künfftig war; Sondern auch Vater und
Heiligen Geist. Denn wer den Sohn siehet/ siehet auch
den Vater. Joh. XIV. v. 9. Wer Vater und Sohn siehet/
muß den Heiligen Geist auch sehen/ weil Sie alle Drey ei-
nes sind. I. Joh. V, 8. Was dem Hiob geschehen wird/
wird auch anderen nicht versaget seyn. Und deshalb schrei-
bet Paulus: Wir sehen itzt/ durch einem Spiegel/ in ei-
nem dunckelen Worte; Dann aber/ von Angesicht/ zu An-
gesichte. Jtzt erkenne ichs Stück-Weise; Denn aber wer-
de ich erkennen/ gleich wie ich erkennet bin. I. Cor. XIII[,] 12.
Beyderseits Gegensatz zeiget an/ daß der Heil. Paulus sich
einer gantz vollkommenen Erkäntnüs getröstet; Sinte-
mahl er deshalb die Künfftige/ von der Gegenwärtigen/
die nur Stück-weiß ist/ sehr nachdrücklich entscheidet. Eine
vollkommene Erkäntnüs aber ist/ welche nicht allein/ nach
den Umbständen des zuerkennenden/ sondern auch des er-
kennenden/ richtig ist; Es seye dann/ daß man sagen wol-
te/ Isaac habe den Jacob völlig erkannt/ ob er nur seine Stim-
me entscheiden/ und ihn so/ in seinem Gemüthe/ vor den/

der

Chriſtliche
das? Mit ſeinen Augen: Meine Augen werden Jhn
ſchauen. Nicht des Gemuͤths/ oder Glaubens; Denn
die ſahen Jhn ſchon. Darumb des Leibes; Als auch
der Context mitbringet/ welcher Haut/ Fleiſch und Au-
gen/ zuſammen ſetzet/ und ſo/ dem Anſehen nach/ ei-
gentlich die jenigen verſtehet/ welche/ in der Haut/ und
dem Fleiſche/ ſind/ darzu gehoͤren/ und/ ſambt dieſen/ ſol-
ten wieder gegeben werden. Die ſollen GOTT ſchauen/
und ſo nicht allein den Theánthropon, oder den GOTT/
welcher Menſch/ und/ im Fleiſch/ geoffenbaret worden/ als
damahls noch kuͤnfftig war; Sondern auch Vater und
Heiligen Geiſt. Denn wer den Sohn ſiehet/ ſiehet auch
den Vater. Joh. XIV. v. 9. Wer Vater und Sohn ſiehet/
muß den Heiligen Geiſt auch ſehen/ weil Sie alle Drey ei-
nes ſind. I. Joh. V, 8. Was dem Hiob geſchehen wird/
wird auch anderen nicht verſaget ſeyn. Und deshalb ſchrei-
bet Paulus: Wir ſehen itzt/ durch einem Spiegel/ in ei-
nem dunckelen Worte; Dañ aber/ von Angeſicht/ zu An-
geſichte. Jtzt erkenne ichs Stuͤck-Weiſe; Deñ aber wer-
de ich erkennen/ gleich wie ich erkennet bin. I. Cor. XIII[,] 12.
Beyderſeits Gegenſatz zeiget an/ daß der Heil. Paulus ſich
einer gantz vollkommenen Erkaͤntnuͤs getroͤſtet; Sinte-
mahl er deshalb die Kuͤnfftige/ von der Gegenwaͤrtigen/
die nur Stuͤck-weiß iſt/ ſehr nachdruͤcklich entſcheidet. Eine
vollkommene Erkaͤntnuͤs aber iſt/ welche nicht allein/ nach
den Umbſtaͤnden des zuerkennenden/ ſondern auch des er-
kennenden/ richtig iſt; Es ſeye dann/ daß man ſagen wol-
te/ Iſaac habe den Jacob voͤllig erkañt/ ob er nur ſeine Stim-
me entſcheiden/ und ihn ſo/ in ſeinem Gemuͤthe/ vor den/

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[46/0046] Chriſtliche das? Mit ſeinen Augen: Meine Augen werden Jhn ſchauen. Nicht des Gemuͤths/ oder Glaubens; Denn die ſahen Jhn ſchon. Darumb des Leibes; Als auch der Context mitbringet/ welcher Haut/ Fleiſch und Au- gen/ zuſammen ſetzet/ und ſo/ dem Anſehen nach/ ei- gentlich die jenigen verſtehet/ welche/ in der Haut/ und dem Fleiſche/ ſind/ darzu gehoͤren/ und/ ſambt dieſen/ ſol- ten wieder gegeben werden. Die ſollen GOTT ſchauen/ und ſo nicht allein den Theánthropon, oder den GOTT/ welcher Menſch/ und/ im Fleiſch/ geoffenbaret worden/ als damahls noch kuͤnfftig war; Sondern auch Vater und Heiligen Geiſt. Denn wer den Sohn ſiehet/ ſiehet auch den Vater. Joh. XIV. v. 9. Wer Vater und Sohn ſiehet/ muß den Heiligen Geiſt auch ſehen/ weil Sie alle Drey ei- nes ſind. I. Joh. V, 8. Was dem Hiob geſchehen wird/ wird auch anderen nicht verſaget ſeyn. Und deshalb ſchrei- bet Paulus: Wir ſehen itzt/ durch einem Spiegel/ in ei- nem dunckelen Worte; Dañ aber/ von Angeſicht/ zu An- geſichte. Jtzt erkenne ichs Stuͤck-Weiſe; Deñ aber wer- de ich erkennen/ gleich wie ich erkennet bin. I. Cor. XIII, 12. Beyderſeits Gegenſatz zeiget an/ daß der Heil. Paulus ſich einer gantz vollkommenen Erkaͤntnuͤs getroͤſtet; Sinte- mahl er deshalb die Kuͤnfftige/ von der Gegenwaͤrtigen/ die nur Stuͤck-weiß iſt/ ſehr nachdruͤcklich entſcheidet. Eine vollkommene Erkaͤntnuͤs aber iſt/ welche nicht allein/ nach den Umbſtaͤnden des zuerkennenden/ ſondern auch des er- kennenden/ richtig iſt; Es ſeye dann/ daß man ſagen wol- te/ Iſaac habe den Jacob voͤllig erkañt/ ob er nur ſeine Stim- me entſcheiden/ und ihn ſo/ in ſeinem Gemuͤthe/ vor den/ der

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Zitationshilfe: Langen, Samuel: Die Selige Glaubitzin. Schlichtingsheim, 1693, S. 46. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/359520/46>, abgerufen am 30.09.2020.