Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Reideburg, Christoph von: Kurtze Anleitung: Wie die jetzige böse Zeit/ darinnen zwar für sich selbst/ nichts/ alß eytel Klag. Breslau, 1642.

Bild:
<< vorherige Seite

WAnn der Vornehme Redener
Cicero einen Hominem politicum,
vere politicum/
beschreiben wil/ attri-
bui
ret er demselben/ vnter andern Eygenschafften
auch: mentem firmam & immotam, ein bestän-
diges vnbewegliches Gemütte/ in allen Zufällen.
So lauten seine Worte: Magnitudinis animi &Lib. 3.
Officior.

fortitudinis proprium est, nihil extimescere,
omnia humana despicere, nihil quod homini
accidere possit, intolerandum putare.
Eines
Tapfferen/ Vnverzagten/ vnd Mannhafften Ge-
müttes Eygenschafft ist/ sich für nichts fürchten
noch entsetzen/ diß Weltliche alles verachten/ vnnd
nichts/ so einem Menschen begegnen könne/ für
vnleydlich halten. Quid est aliud Sors? (sa-
get er anderßwo) quid fortuna? quid casus? quid
eventus? nisi quum sic aliquid cecidit, sic eve-
nit, ut, vel non cadere atq; evenire, vel aliter
cadere atq; evenire potuerit.
Was ist Glück
vnnd Zufall anders/ denn so etwas also gefallen/
vnd sich zugetragen hat/ daß es entweder gar nicht
solcher gestalt/ noch in einer andern hette fallen/
vnd sich zutragen können.

Die Regul ist statlich: Aber novem ubi?
Wo finden wir solche Leuthe? die sich in praxi also

halten

WAnn der Vornehme Redener
Cicero einen Hominem politicum,
verè politicum/
beſchreiben wil/ attri-
bui
ret er demſelben/ vnter andern Eygenſchafften
auch: mentem firmam & immotam, ein beſtaͤn-
diges vnbewegliches Gemuͤtte/ in allen Zufaͤllen.
So lauten ſeine Worte: Magnitudinis animi &Lib. 3.
Officior.

fortitudinis proprium eſt, nihil extimeſcere,
omnia humana deſpicere, nihil quod homini
accidere posſit, intolerandum putare.
Eines
Tapfferen/ Vnverzagten/ vnd Mannhafften Ge-
muͤttes Eygenſchafft iſt/ ſich fuͤr nichts fuͤrchten
noch entſetzen/ diß Weltliche alles verachten/ vnnd
nichts/ ſo einem Menſchen begegnen koͤnne/ fuͤr
vnleydlich halten. Quid eſt aliud Sors? (ſa-
get er anderßwo) quid fortuna? quid caſus? quid
eventus? niſi quum ſic aliquid cecidit, ſic eve-
nit, ut, vel non cadere atq; evenire, vel aliter
cadere atq; evenire potuerit.
Was iſt Gluͤck
vnnd Zufall anders/ denn ſo etwas alſo gefallen/
vnd ſich zugetragen hat/ daß es entweder gar nicht
ſolcher geſtalt/ noch in einer andern hette fallen/
vnd ſich zutragen koͤnnen.

Die Regul iſt ſtatlich: Aber novem ubi?
Wo finden wir ſolche Leuthe? die ſich in praxi alſo

halten
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0007"/>
      <div type="fsSermon" n="1">
        <p><hi rendition="#fr"><hi rendition="#in">W</hi>Ann der Vornehme Redener</hi><lb/><hi rendition="#aq">Cicero</hi> einen <hi rendition="#aq">Hominem politicum,<lb/>
verè politicum/</hi> be&#x017F;chreiben wil/ <hi rendition="#aq">attri-<lb/>
bui</hi>ret er dem&#x017F;elben/ vnter andern Eygen&#x017F;chafften<lb/>
auch: <hi rendition="#aq">mentem firmam &amp; immotam,</hi> ein be&#x017F;ta&#x0364;n-<lb/>
diges vnbewegliches Gemu&#x0364;tte/ in allen Zufa&#x0364;llen.<lb/>
So lauten &#x017F;eine Worte: <hi rendition="#aq">Magnitudinis animi &amp;</hi><note place="right"><hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Lib. 3.<lb/>
Officior.</hi></hi></note><lb/><hi rendition="#aq">fortitudinis proprium e&#x017F;t, nihil extime&#x017F;cere,<lb/>
omnia humana de&#x017F;picere, nihil quod homini<lb/>
accidere pos&#x017F;it, intolerandum putare.</hi> Eines<lb/>
Tapfferen/ Vnverzagten/ vnd Mannhafften Ge-<lb/>
mu&#x0364;ttes Eygen&#x017F;chafft i&#x017F;t/ &#x017F;ich fu&#x0364;r nichts fu&#x0364;rchten<lb/>
noch ent&#x017F;etzen/ diß Weltliche alles verachten/ vnnd<lb/>
nichts/ &#x017F;o einem Men&#x017F;chen begegnen ko&#x0364;nne/ fu&#x0364;r<lb/>
vnleydlich halten. <hi rendition="#aq">Quid e&#x017F;t aliud Sors?</hi> (&#x017F;a-<lb/>
get er anderßwo) <hi rendition="#aq">quid fortuna? quid ca&#x017F;us? quid<lb/>
eventus? ni&#x017F;i quum &#x017F;ic aliquid cecidit, &#x017F;ic eve-<lb/>
nit, ut, vel non cadere atq; evenire, vel aliter<lb/>
cadere atq; evenire potuerit.</hi> Was i&#x017F;t Glu&#x0364;ck<lb/>
vnnd Zufall anders/ denn &#x017F;o etwas al&#x017F;o gefallen/<lb/>
vnd &#x017F;ich zugetragen hat/ daß es entweder gar nicht<lb/>
&#x017F;olcher ge&#x017F;talt/ noch in einer andern hette fallen/<lb/>
vnd &#x017F;ich zutragen ko&#x0364;nnen.</p><lb/>
        <p>Die Regul i&#x017F;t &#x017F;tatlich: Aber <hi rendition="#aq">novem ubi?</hi><lb/>
Wo finden wir &#x017F;olche Leuthe? die &#x017F;ich in <hi rendition="#aq">praxi</hi> al&#x017F;o<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">halten</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0007] WAnn der Vornehme Redener Cicero einen Hominem politicum, verè politicum/ beſchreiben wil/ attri- buiret er demſelben/ vnter andern Eygenſchafften auch: mentem firmam & immotam, ein beſtaͤn- diges vnbewegliches Gemuͤtte/ in allen Zufaͤllen. So lauten ſeine Worte: Magnitudinis animi & fortitudinis proprium eſt, nihil extimeſcere, omnia humana deſpicere, nihil quod homini accidere posſit, intolerandum putare. Eines Tapfferen/ Vnverzagten/ vnd Mannhafften Ge- muͤttes Eygenſchafft iſt/ ſich fuͤr nichts fuͤrchten noch entſetzen/ diß Weltliche alles verachten/ vnnd nichts/ ſo einem Menſchen begegnen koͤnne/ fuͤr vnleydlich halten. Quid eſt aliud Sors? (ſa- get er anderßwo) quid fortuna? quid caſus? quid eventus? niſi quum ſic aliquid cecidit, ſic eve- nit, ut, vel non cadere atq; evenire, vel aliter cadere atq; evenire potuerit. Was iſt Gluͤck vnnd Zufall anders/ denn ſo etwas alſo gefallen/ vnd ſich zugetragen hat/ daß es entweder gar nicht ſolcher geſtalt/ noch in einer andern hette fallen/ vnd ſich zutragen koͤnnen. Lib. 3. Officior. Die Regul iſt ſtatlich: Aber novem ubi? Wo finden wir ſolche Leuthe? die ſich in praxi alſo halten

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/343016
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/343016/7
Zitationshilfe: Reideburg, Christoph von: Kurtze Anleitung: Wie die jetzige böse Zeit/ darinnen zwar für sich selbst/ nichts/ alß eytel Klag. Breslau, 1642, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/343016/7>, abgerufen am 21.05.2019.